Der Wind pfeift
Radikal auf sechs Tage verkürzt war diese zweiten Pandemie-Berlinale, in der sämtliche Besucher eingehegt waren in Sicherheitsmaßnahmen: 2G+ für die Presse, auch die geboosterte, zusätzlich die tägliche Testpflicht; halbleere Kinosäle, keine Partys, kein Gedrängel am roten Teppich, Glamourfaktor gegen Null.
Von den 350 Filmen der schon im letzten Jahr stark reduzierten Zoom-Berlinale blieben 264, die schnell ein Label verpasst bekamen: die Berlinale der Frauen, die dieses Jahr im Wettbewerb tatsächlich mit sieben Regisseurinnen stärker vertreten waren als je zuvor – trotzdem noch weit entfernt von der Parität. Für den Ausgleich sorgte die Jury, indem sie sechs von acht Wettbewerbs-Bären an Frauen vergab. Und sich dabei fast demonstrativ gegen die professionelle Kunst des Schauspiels entschied: Den Goldenen Bären für den besten Film erhielt Carla Simons wunderbar leichter und zärtlicher, dabei implizit durchaus politischer spanischer Film «Alcarras», in dem ausschließlich Laienspieler:innen aus der katalonischen Provinz das Familienleben auf einer Pfirsichplantage performen, der die neue Zeit – Solaranlagen, mit denen mehr Geld zu verdienen ist – buchstäblich den Boden unter den ...
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Theater heute April 2022
Rubrik: Berlinale 2022, Seite 46
von Barbara Burckhardt
Wie erzählen wir uns unsere eigene Geschichte? Welche Narrative (er)finden wir, um sie uns plausibel zu machen, rote Fäden einzuweben, die unsere heutige Identität, unser Weltbild unterstützen? Der libanesische Künstler Walid Raad (*1967) versetzt in seinen Performan -ces, Videos und Objekten diese Form der Bedeutungserzeugung in Bewegung. Oft genug, indem er sich...
Sonntag, 6 März. Heute ist der elfte Tag, seit Russland den Krieg gegen mein Land begonnen hat. Nicht «Eska -lation des Konflikts» oder «Verschärfung der Ukraine-Krise», nicht «Entfesselung einer speziellen Militäroperation», sondern Krieg. Es ist schwer zu glauben, dass ein solch unerträglicher, absurder, grober und unaussprechlicher Akt der Aggression im 21....
Die Nachricht vom Tod ihres Mannes trifft Louise Mallard unvermittelt. Trauernd zieht sie sich in ihr Schlafzimmer zurück, allein. Doch nachdem der erste Schmerz abklingt, das überwältigende Gefühl von Verlust und Orientierungslosigkeit, stellt sie fest, dass sich etwas anderes, bislang Unbekanntes Bahn bricht: das Gefühl von Freiheit. «Die Geschichte einer...
