Der Wind pfeift
Radikal auf sechs Tage verkürzt war diese zweiten Pandemie-Berlinale, in der sämtliche Besucher eingehegt waren in Sicherheitsmaßnahmen: 2G+ für die Presse, auch die geboosterte, zusätzlich die tägliche Testpflicht; halbleere Kinosäle, keine Partys, kein Gedrängel am roten Teppich, Glamourfaktor gegen Null.
Von den 350 Filmen der schon im letzten Jahr stark reduzierten Zoom-Berlinale blieben 264, die schnell ein Label verpasst bekamen: die Berlinale der Frauen, die dieses Jahr im Wettbewerb tatsächlich mit sieben Regisseurinnen stärker vertreten waren als je zuvor – trotzdem noch weit entfernt von der Parität. Für den Ausgleich sorgte die Jury, indem sie sechs von acht Wettbewerbs-Bären an Frauen vergab. Und sich dabei fast demonstrativ gegen die professionelle Kunst des Schauspiels entschied: Den Goldenen Bären für den besten Film erhielt Carla Simons wunderbar leichter und zärtlicher, dabei implizit durchaus politischer spanischer Film «Alcarras», in dem ausschließlich Laienspieler:innen aus der katalonischen Provinz das Familienleben auf einer Pfirsichplantage performen, der die neue Zeit – Solaranlagen, mit denen mehr Geld zu verdienen ist – buchstäblich den Boden unter den ...
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Theater heute April 2022
Rubrik: Berlinale 2022, Seite 46
von Barbara Burckhardt
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