«Das wollt ihr? Kann ich machen!»
In einer der komischsten Szenen in Jan-Christoph Gockels siebenstündiger «Wallenstein»-Inszenierung versuchen der Offizier Max Piccolomini und General Isolani von ihrem Kameraden, dem General Illo, abzulenken. Der hat nämlich gerade beim virilen Striptanz um Wallenstein seinen Penis verloren; Katharina Bach wälzt sich nun in einer Mischung aus Scham und Schmerz am Boden.
Annika Neugarts Max und Johanna Eiworths Isolani pumpen sich daneben auf wie Gorillas, übertrumpfen sich gegenseitig mit «Ey»-Rufen und maximalem Gebrüll, schubsen sich auch mal grob zur Seite, um dann wieder das lachende Publikum mit ausgebreiteten Armen und beruhigendem Grunzen zu beschwichtigen.
Keine Frage, alle drei crossgender-besetzten Schauspielerinnen verkörpern Männlichkeit auf je eigene – und das heißt oft: zugespitzte – Weise überzeugend. Doch Max kommt bei Annika Neugart, der Nachwuchsschauspielerin des Jahres, ganz ohne Perücke, Dildo und Musclesuit einer realistischen Darstellung am nächsten. Ihr Max ist ein bäriger Typ, trägt meist Trainingsanzug und Basecap wie ein Deutschrapper, am Handgelenk blitzt die goldene Rolex. Doch das Männliche kommt bei ihr ganz selbstverständlich aus der Haltung, dem ...
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Theater heute Jahrbuch 2026
Rubrik: Höhepunkte des Jahres, Seite 20
von Eva Behrendt
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