Das winzige Stückchen Punk

Sebastian Nübling bringt «Fucking Amal» auf die Bühne des Jungen Theaters Basel, Lars-Ole Walburg gibt Brechts «Dreigroschenoper», was ihr gebührt

Theater heute - Logo

Nachmittagsvorstellung an einem Sonntag im Januar, volles Haus, das Schweizer Fernsehen ist auch da und filmt für irgendeine Kultursendung. In der Pause fragt das blonde Garderobenfräulein: «Und? Finden Sie das jetzt auch obszön? Also, ich habs ja noch nicht gesehen, aber viele Leute sagen, das wäre total obszön!» Hm. Nach der Pause sind die drei alten Damen aus der hinteren Reihe verschwunden.

Und alles nur wegen ein paar unschuldiger Spargel aus dem Glas! 

Natürlich ist klar, wofür die Spargel stehen, aber erstens sind die Spargel schon das Gewagteste in der ganzen «Dreigroschenoper», und zweitens sind sie, wie Spargel aus dem Glas das halt immer sind, sowieso nur schlapp und alles andere als unanständig. Sonst wären sicher auch nicht so viele Kinder in der Vorstellung. Die Kinder finden nämlich die Musik total klasse, verstehen aber sonst nicht viel. Im Gegensatz zu den alten Damen, aber die sollten ihren Brecht ja eigentlich kennen. Die Spargel stehen durchaus auch ein bisschen stellvertretend für die untergehenden Männer – den Frauen, besonders Polly Peachum und Lucy Brown, geht’s nämlich am Ende ziemlich gut. 

Mackie Messer (Klaus Brömmelmeier) ist eine Mischung zwischen Alex ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2005
Rubrik: Aufführungen, Seite 8
von Simone Meier

Vergriffen
Weitere Beiträge
Herzkasper

Traurig ist Frau Tod, sehr, sehr traurig. Sie macht den Job schon so lange, aber noch nie, sagt sie, noch nie wollte irgendjemand mit ihr ins Bett gehen. Dabei gäbe es doch immerhin Amputiertenpornos. Sogar Amputierte, schließt sie messerscharf, hätten also Sex. Nur sie nicht. Das sei ungerecht. Frau Tod ist ziemlich am Ende. Sie ist die letzte Nummer in der...

Wie ein Mensch zerbrochen wird

Der Kanonenschuss, der am Schluss des Stücks fällt, kündigt am frühen Morgen des 12. April 1861 den Beginn des Sezessionskrieges an. Von Politik war zuvor ausgiebig die Rede in Julien Greens Drama «Süden», entstanden 1951/52, und die erste Leiche liegt bereits auf dem Boden des Salons der Plantage Bonaventura in Südcarolina: Leutnant Ian Wiczewski, der die blaue...

Alles auf Zukunft

Es gibt Ereignisse, die grenzen in diesen Zeiten, da das Wünschen nicht mehr hilft, an ein Wunder. Ringsum werden Theater von Sparzwängen gepeinigt, es wird geschlossen und gedrosselt, ganze Sparten verschwinden, Spielpläne schrumpfen. Just da öffnet ein schon fast aufgegebenes Theater wieder seine Pforte: in sachbezogener Schlichtheit und höchstmöglicher...