Papierhirsche und Papierziegel

Gozzi «König der Hirsche», Ferdinand Bruckner «Elisabeth von England»

Theater heute - Logo

Hund, Katze, Maus. Nein, falsch, ein Kind ist’s, das da – Punkt, Punkt, Komma, Strich – entsteht. Und eine Hose. Ein Fernseher. Ein König: den Kopf durch die Papierwand gesteckt und die Krone einfach drübergemalt. So ein König aber, der hat’s nicht leicht, ist einsam ohne Frau. Und alle anderen sind nur scharf auf seinen Job. Gut ist es da, wenn man ein paar Zaubertricks kann – um in einen anderen Menschen zu schlüpfen, beispielsweise.

 

Das wiederum klingt ja nun schon wieder sehr nach Theater: Das kann ja bekanntlich auch zaubern, Könige gibt es da zuhauf, und in andere Menschen wird geschlüpft, als wären es Klamotten. Und drum vergisst der bulgarische Regisseur Stefan Moskov gleich wieder, dass er eigentlich «König der Hirsche» von Carlo Gozzi inszenieren wollte und macht lieber ein Stück über die Lust am Theater, über die leidenschaftliche Freude am Spielen. Wie bei einem Zeichentrickfilm, in den immer wieder der Stift eingreift und so Verwirrung unter den beteiligten Figuren schafft, kann an diesem Abend alles entstehen, alles vergehen, im Nu. Was wäre besser geeignet, ein neu zusammengesetztes Ensemble vorzustellen, eine neue Spielstätte einzuweihen?

Unprätentiös und humorvoll ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2005
Rubrik: Chronik, Seite 38
von Florian Malzacher

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Ich wollte unbedingt nach Kassel»

Das für ein Einsatz: Er hat sich an die Wand geworfen, immer wieder, bis er endlich niedergesunken ist. Käfergleich hat er sich dort am Boden um die eigene Achse gedreht und mit den Füßen gegen die Wand getreten, als wollte er, der Schwerkraft trotzend, bis zur Decke hochspazieren. Hat ein armseliges Tannenbäumchen umarmt, hat dem Chauffeur über die Stoppelhaare...

Die Satanslalle

Kommissar Schneider ermittelt. Aber was klärt er auf? Nichts. Verwirrung, Dimensionsverschiebung ist das Ziel. Helge Schneiders Krimis sind keine Whodunits, sondern Dschungelbücher, semantische Irrgärten aus der zur Banalität befreiten Phantasie.

Hatte Helge Schneiders verwirrtes Musical «Mendy, das Wusical» noch so etwas wie eine Handlung, wenn auch keinen...

Endstation Sehnsucht

Man müsse tot sein, heißt es, wenn man in Wien eine gute Nachred’ haben will. Manchmal genügt es auch, wenn man todkrank ist. Als der von einem Krebsleiden schwer gezeichnete Hans Gratzer bei der Nestroy-Gala vergangenen November auf der Wiener Varietébühne Ronacher für sein Lebenswerk geehrt wurde, spendete ihm die versammelte Wiener Theatergesellschaft...