Endstation Sehnsucht

Zum Tod von Hans Gratzer (1941–2005)

Theater heute - Logo

Man müsse tot sein, heißt es, wenn man in Wien eine gute Nachred’ haben will. Manchmal genügt es auch, wenn man todkrank ist.

Als der von einem Krebsleiden schwer gezeichnete Hans Gratzer bei der Nestroy-Gala vergangenen November auf der Wiener Varietébühne Ronacher für sein Lebenswerk geehrt wurde, spendete ihm die versammelte Wiener Theatergesellschaft minutenlang Standing Ovations – darunter auch einige Kollegen, die Gratzer nur wenige Monate vorher die bitterste Niederlage seiner Karriere zugefügt hatten: Noch während der ersten Saison als Direktor des Theaters in der Josefstadt war Gratzer zum Rücktritt gezwungen worden. 

Die beklemmende Szene im Ronacher war ein peinlicher Regiefehler, der dem Regisseur Hans Gratzer nie unterlaufen wäre. Der unrühmliche letzte Akt passt nicht zu einer ungewöhnlichen Laufbahn, in deren Verlauf Gratzer immer wieder vor dem Absturz stand – um dann doch wieder durchzustarten. Diesmal hatte er dazu keine Chance mehr: Am Abend des 19. Januar ist Hans Gratzer im 64. Lebensjahr gestorben.

 

Ein begnadeter Impresario

Am Beginn seiner Karriere, als Schauspielschüler am Reinhardt-Seminar, hatte man Gratzer beschieden, «nicht genial und zu bürgerlich für ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2005
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Wolfgang Kralicek

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Satanslalle

Kommissar Schneider ermittelt. Aber was klärt er auf? Nichts. Verwirrung, Dimensionsverschiebung ist das Ziel. Helge Schneiders Krimis sind keine Whodunits, sondern Dschungelbücher, semantische Irrgärten aus der zur Banalität befreiten Phantasie.

Hatte Helge Schneiders verwirrtes Musical «Mendy, das Wusical» noch so etwas wie eine Handlung, wenn auch keinen...

Schwester Courage

Die junge Frau mit der roten Strickjacke stößt einen tiefen, wunden, würgenden Schrei aus. Es ist der Moment, in dem sie begreift, dass sie sterben wird: Nicht irgendwann später, wie jeder Mensch glaubt, nicht frühestens 99 Tage nach dem Gerichtsurteil, wie morgens Zellengenossin Else versprochen hat, sondern noch heute, gleich. So will es das Nazi-Regime, das an...

Warten auf George Bush

«Theatre, in the Islamic Republic, finds its noble and high responsibilities in expressing pains and suffering of fettered and oppressed human beings.» revolutionsführer ali chamenei (vorangestellt dem katalog zum 23. internationalen fadjr-festival)

 

 

Darf ich mich einen Moment zu Ihnen setzen?» Obwohl im Flugzeug nach Teheran noch viele Plätze frei sind, setzt...