Das Rüstzeug einer Blechseele
Es ist ein ungewöhnliches Erbe, das das protegierte «Kind aus Seide» in Leonie Ziems gleichnamigem Stück antritt: Der jungen Frau werden eine Eisdiele und ein Sexroboter vermacht.
Mithilfe jenes unverblümt sinnlichen automatischen «Milchmädchens» hält die frisch gebackene Eisverkäuferin fortan Laden und Liebesleben am Laufen, doch das Glück ihrer Trans-Species-Paarbeziehung schmilzt schneller dahin als das von beiden werbewirksam angepriesene Serranoschinken -Eis: Die eingebaute Nein-Funktion der Roboterfrau («Du hast auch für meinen freien Willen bezahlt») ermöglicht es dieser, emanzipierte Entscheidungen zu treffen und sich im Handumdrehen von ihrer Besitzerin loszusagen. Was nicht nur Anlass zur Trauerarbeit vonseiten des Verkaufsunternehmens «Electric Souls» gibt, sondern auch zum Philosophieren darüber, was der Mensch sei und was die Blechschachtel und ob Hannah Arendts Begriff des Hauses (oikos) auch ein treffendes Bild für die Liebe sein könnte. An ihrem Verlangen verzweifelnd, sinniert die verlassene Eisverkäuferin: Wie kann man sich dem Gegenüber im Warenzeitalter überhaupt noch nähern – durch Betrachtung, durch Erwerb, durch Einverleiben desselben?
Ausgehend von dieser ...
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Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Neue Stücke, Seite 163
von Lea Aupperle
Jacob McNeal ist das Paradebeispiel für den sprichwörtlichen alten weißen Mann und ein Prototyp für eine heute zunehmend als toxisch gebrandmarkte Männlichkeit. Diese mag zwar im Aussterben begriffen sein, ist aber immer noch voller Schaffenskraft und für – auch positive – Überraschungen gut.
Jacob McNeal entspringt der Fantasie des Autors Ayad Akhtar, der ihn uns...
Wann haben Sie sich zuletzt so richtig geärgert, und warum? Die Frage trifft. Ich fühle mich ertappt und gehe im Geiste die Situationen durch, in denen ich zur Beute dieses ungeliebten und unattraktiven Gefühls geworden bin, frage mich, ob ich mich zu oft geärgert habe in letzter Zeit, vielleicht auch zu sehr und womöglich aus zu geringem Anlass? Ich frage mich...
Was hinter geschlossenen Türen passiert, bleibt im Verborgenen, und die Vorstellung treibt da mitunter seltsame Blüten. Ist es dahinter laut oder still? Sind Stimme oder Geräusche zu vernehmen? Das Hören wird zu einem Ereignis, und die Fantasie kennt keine Grenzen, besonders sie. Das Setting – der Mikroorganismus eines Mietshauses: ein Leben, Tür an Tür – ist dafür...
