Sobald es Nacht wird

Clemens J. Setz «Die Erfindung»

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Was hinter geschlossenen Türen passiert, bleibt im Verborgenen, und die Vorstellung treibt da mitunter seltsame Blüten. Ist es dahinter laut oder still? Sind Stimme oder Geräusche zu vernehmen? Das Hören wird zu einem Ereignis, und die Fantasie kennt keine Grenzen, besonders sie. Das Setting – der Mikroorganismus eines Mietshauses: ein Leben, Tür an Tür – ist dafür prädestiniert.

Es ist Nacht. Ein Paar liegt in seinem Bett, wach. In der Wohnung über ihnen ist es laut, die Nachbarn streiten – wie jede Nacht.

Man hört Stimmen, hört Schreien, Weinen, das Fallen von Gegenständen. Sind Sie gewalttätig? Bringen sie einander um? Und was tun sie ihren Kindern an!? Tagsüber ist es immer still, als ob nichts geschehen wäre. Sobald es aber Nacht wird, geht es wieder los.

«Warum sterben die nie? Sie strengen sich jede Nacht so an, fallen übereinander her. Aber jedes Mal leben sie am nächsten Morgen wieder», fragt sich das Paar (C und S) gleich zu Beginn des Stücks.

Was als normale Alltagssituation beginnt, entwickelt sich in «Die Erfindung», dem neuen Stück von Clemens J. Setz, zu einer überraschenden und abgründigen Tour de Farce direkt rein in die Zumutungen des Zusammenlebens und die ...

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Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Neue Stücke, Seite 159
von Gwendolyne Melchinger

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