Die grundgereizte Stimmung
Wann haben Sie sich zuletzt so richtig geärgert, und warum? Die Frage trifft. Ich fühle mich ertappt und gehe im Geiste die Situationen durch, in denen ich zur Beute dieses ungeliebten und unattraktiven Gefühls geworden bin, frage mich, ob ich mich zu oft geärgert habe in letzter Zeit, vielleicht auch zu sehr und womöglich aus zu geringem Anlass? Ich frage mich auch, welche Situationen zur Veröffent -lichung taugen. Alles Berufliche scheint mir zu vertraulich, das Private zu intim und glücklicherweise auch am wenigsten ergiebig.
Das Öffentliche sprengt den Rahmen und übersteigt wahrscheinlich auch meine Möglichkeiten. (Sonst ginge ich hier vielleicht der Frage nach, inwiefern die omnipräsenten Wahlvorhersagen in den Vorberichterstattungen zur unerwünschten selffulfilling Prophecy werden können. Die Sorge einer unbeabsichtigten, aber fatalen Manipulation hat mich schon manches Mal geärgert und gewinnt angesichts der aktuellen politischen Lage an unliebsamer Brisanz.)
Drücke ich mich vor der Aufgabe und will ich mir meinen Ärger nicht eingestehen? Warum ist der kleine Bruder der Wut überhaupt so ein diskreditiertes Gefühl? An sich stehen Emotionen ja hoch im Kurs. Was gefühlt wird, ...
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Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Ärgernisse, Seite 101
von Andrea Vilter
Der Barbenheimer-Sommer liegt ein Jahr zurück, und die Geschichte um die Entstehung der ersten Atombombe ist dadurch noch sehr präsent (und die filmische Erzählung von Christopher Nolan gleich mit sieben Oscars prämiert worden). Das neue Theaterstück von Stefano Massini setzt geschichtlich etwas früher an und beginnt mit dem Zusammentreffen von vier jungen...
Meine Haare sind splissig, ich könnte rasen vor Wut. Beim Frisör in Altona lasse ich mir für 4,99€ einen Olaf-Scholz-Haarschnitt machen. Im Klatschmagazin lese ich, dass Olaf damals die von der UN-Menschenrechtskonvention als Folter deklarierte Brechmittelgabe in Hamburg durchgewunken hat. Rechtswidrig kotzende Leute sind daran gestorben. Er lächelt bodenständig...
Frau Yamamoto, über siebzig Jahre alt, war einmal eine Sägewerksbesitzerin, mit Vornamen heißt sie Sole. Sie hat ihren Sohn, einen begeisterten Kletterer, durch einen Unfall in den Dolomiten verloren. Ihr Mann hat sie verlassen. Er lebe jetzt im Norden, wo immer das sein mag, und er habe noch zwei Töchter bekommen. Frau Yamamoto hat danach viel gearbeitet, jetzt...
