Das Dritte im Spiel
Man könne doch das Ledersofa ins andere Zimmer vor die hellgrüne Wand tragen – das sähe bestimmt toll aus. Aenne Schwarz ist vorbereitet auf den Besuch. Zuerst trägt sie einen rot-lila-gemusterten Pullover zur weiten, blauen, fein gestreiften Hose und setzt sich damit auf das verschobene Sofa vor der grünen Wand. Dann kramt sie – an einem sonnigen, aber nicht sehr warmen Wintertag – ein Sommerkleid hervor, das habe sie im letzten Jahr so gerne getragen.
Zum dritten Teil des Fotoshootings trägt sie einen dunkelblauen Anzug, «den habe ich Second Hand in Paris gekauft, ich liebe ihn!» Nach dem Ortswechsel auf die Straße läuft sie wie ein Model im Passgang. Immer wieder ändert sie Haltung, Gestik, Gesichtsausdruck, wirkt mal selbstbewusst, fast arrogant, dann lächelnd, dünnhäutig oder in sich verschlossen.
Die 39-jährige Schauspielerin, engagiert am Theater Basel, ab Sommer als Gast mit Verpflichtung auf eine Rolle pro Jahr, kennt das Spiel vor der Kamera; sie startet gerade durch in ihrer zweiten Karriere als Filmschauspielerin, die bereits 2007 mit ersten Kurzfilmen begann, im ersten Jahr an der Ernst-Busch-Schule. 2009 steht sie für Uli Edel in «Zeiten ändern dich» vor der Kamera, ...
AENNE SCHWARZ, geboren 1983 in Filderstadt (Baden-Württemberg), studierte von 2007 bis 2011 an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, war danach Ensemblemitglied am Maxim Gorki Theater (2011–13) und an der Wiener Burg (2013–19). Sie hat in zahlreichen Filmen, u.a. von Maria Schrader, Jan Bonny und Eva Trobisch mitgespielt. Zur Zeit ist sie im Schauspielensemble des Theaters Basel
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute 4 2023
Rubrik: Akteure, Seite 26
von Valeria Heintges
Oben hockt Tell mit seiner Armbrust in der golden leuchtenden Steilwand, von der herab er Gessler erschossen hat. Unten kriecht ein blutbeschmiertes Volk hervor und skandiert: «Tell, der Schütze und Befreier.» Dieser Tell ist kein Held, sondern ein von dem Bewusstsein seiner Schuld für einen Mord aus dem Hinterhalt zerfressener Einzelgänger.
Eine Inszenierung von...
Nun Jürgen Flimm. Und jedes Mal denke ich: Hätte ich doch bloß noch angerufen oder wäre nochmal vorbeigefahren; aber am Theater ist ja bekanntlich immer Alarmzustand, so dass man das Gefühl hat, nie so richtig wegzukommen, und dann vergisst man, den Kontakt zu halten zu Menschen, die einem mal lieb und wichtig waren. Jürgen Flimm war nie lieb, aber wichtig, und er...
Auf der Bühne stehen schwarze Stühle, auf die sich beim Einlass nach und nach Personen in schicker blaugrüner Abendkleidung setzen, elegant ihre Beine übereinanderschlagen, den Blick ins Publikum gerichtet. Doch über ihren Köpfen tragen sie weiße Stoffmasken, über ihren Körpern weiße Anzüge wie eine zweite Haut: Es ist eine anonyme, gespenstische Versammlung, die...
