Zornige Blicke voraus
Ist das nicht Frau Klemm? Wilhelmine Klemm, vermutlich die fernsehprominenteste Münsteranerin zurzeit – das ist jene etwas angeschrägte Staatsanwältin, die im WDR-«Tatort» aus der Universitäts- und Domstadt seit mittlerweile zwei Jahrzehnten Kripo-Fahnder Thiel und Gerichtsmediziner Börne mehr oder weniger wohlwollend begleitet und nebenbei gelegentlich auch die eigene Zigaretten-Sucht bekämpft.
Klemm-Darstellerin Mechthild Großmann stammt tatsächlich aus Münster, wird im Dezember 75 und hat sich die Liebe zur Bühne bewahrt; immer wieder nimmt sie sich Auszeiten für’s Theater – vor Jahren als Mutter-Monster in «Eine Familie» von Tracy Letts oder Dürrenmatts «Alte Dame» Claire Zachanassian zu Besuch am Schauspielhaus Bochum; auch Münsters Ex-Intendant Thomas Bockelmann holte sie vor über zwanzig Jahren mal in das Theater, wo sie quasi nebenan aufgewachsen war – die Rückkehr von Mechthild Großmann ist eines der sehr speziellen Ereignisse zu Beginn der neuen Zeiten an den Bühnen von Großmanns Heimatstadt Münster.
Der Weg der Schauspielerin ist eine Art Blaupause westdeutscher Theater-Moderne – als junge Frau war sie Ende der 1960er Jahre zu Kurt Hübner nach Bremen gekommen, dann ...
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Theater heute 4 2023
Rubrik: Start Münster, Seite 48
von Michael Laages
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Das Persönliche aufschreiben, um es zu etwas Allgemeinem zu machen: «... dass meine Existenz im Kopf und Leben der anderen aufgeht.» So erklärt Annie Ernaux in «Das Ereignis», warum sie sich 1999 daran machte, ihre Abtreibung als junge Frau knapp 40 Jahre zuvor schreibend zu rekonstruieren. 1963 war eine Schwangerschaftsunterbrechung in Frankreich ein Verbrechen;...
Thomas Köck hat einen titelgemäßen Rache-Feldzug zusammengestellt mit einer Handvoll Figuren, Zitaten, Geschichten, Arien – von der Bibel über Shakespeare bis zu Mozart und Händel –, Jan Philipp Gloger ihn im Nürnberger Schauspielhaus als Crossover-Produktion in Szene gesetzt. Dazu holte er sich vom Opernhaus nebenan etwa die Sopranistin Andromahi Raptis für eine...
