Verführerische Gewaltspiralen
Auf der Bühne stehen schwarze Stühle, auf die sich beim Einlass nach und nach Personen in schicker blaugrüner Abendkleidung setzen, elegant ihre Beine übereinanderschlagen, den Blick ins Publikum gerichtet. Doch über ihren Köpfen tragen sie weiße Stoffmasken, über ihren Körpern weiße Anzüge wie eine zweite Haut: Es ist eine anonyme, gespenstische Versammlung, die den Zuschauer:innen gegenübertritt.
Wenig später wird diese schicke Abendgesellschaft vollkommen entgleisen, in einer Orgie aus Sex und Gewalt werden hier Blow-Jobs verteilt und dort Menschen mit Stühlen attackiert – allerdings in Zeitlupe, stilisiert, und, entgegen des Stücktitels, gerade nicht emotional.
In dieser Spielzeit kooperieren zwei Kulturinstitutionen Frankfurts erstmals miteinander, die Dresden Frankfurt Dance Company und das Schauspiel. Im Dezember zeigte Jacopo Godani, Künstlerischer Leiter der Dresden Frankfurt Dance Company, erstmals im Schauspielhaus einige seiner Stücke. Nun folgt eine Auftragsarbeit des Schauspiels: «10 Odd Emotions», «Zehn seltsame Gefühle». In dieser Inszenierung der israelstämmigen Choreografin Saar Magal stehen sowohl Tänzer:innen als auch Schauspieler:innen auf der Bühne, um sich, ...
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Theater heute 4 2023
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Esther Boldt
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Alexander Kerlin Maria Lazar hat ihren Roman «Die Eingeborenen von Maria Blut» 1935 beendet, im Exil in Dänemark. Sie schreibt über die Jahre, die unmittelbar davor liegen. Das heißt, sie weiß mehr als die Figuren: zum Beispiel, dass die Februarkämpfe 1934 kommen. Ist der Roman eine Art Vorgeschichte zu diesen Ereignissen?
Lucile Dreidemy Der Roman ist sowohl...
Das sieht alles sehr grau aus: Die Gegenstände, die akkurat geordnet an der Wand kleben – alle grau übermalt. Die Lampen, die Teddies, die Tassen, die Teller, die Telefone. Auch die drei Frauen: graue Haare, graue Kleider. Eine (Elmira Bahrami) leiert zunächst ihre Sätze, das betont das graue Einerlei noch. Eine andere (besonders überzeugend: Vera Flück) begleitet...
