Bomben entschärfen im freien Fall
Genie ist die Kraft, sich unendlich Mühe zu geben», aber «sich Mühe geben allein nützt gar nichts». Zwischen den beiden Sentenzen aus Alexander Kluges filmischem Frühwerk «Ar -tisten in der Zirkuskuppel: ratlos» steckt das ganze verfluchte Dilemma der Kunst wie des Lebens. Doch zum Glück liefert der unentwegte Gedankenjongleur und Assoziationskünstler Kluge, der gerade mit wunderbarer Leichtig -keit 90 Jahre alt geworden ist, den Trost gleich hinterher: «Ratlos ist kein negatives Attribut. Ratlosigkeit ist ein Zustand, der Suchbegriffe in Gang setzt.
Besser ratlos als tatenlos.»
Damals im Film machte sich die Zirkus-Erbin Leni Peickert, tapfer und unnahbar gespielt von der jungen Hannelore Hoger, auf die Suche nach der Möglichkeit eines Reformzirkus, in dem keine dressierten, sondern authentische Tiere ausgestellt werden – ein Paradox und selbstverständlich unerfüllbar, aber auch ein treffendes Bild für die Aufbruchstimmung in der Bundesrepublik um 1968. Rat sucht sie vergebens unter anderem auf einem Kongress der Zirkusunternehmer (zu sehen sind Bilder vom letzten Treffen der Gruppe 47 im Jahr zuvor) und strandet schließlich – «Nur als Kapitalist, ändert man das, was ist» – doch ...
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Theater heute Mai 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Silvia Stammen
Wie das Beil eines Scharfrichters ragt der portalhohe Keil an die Rampe, fast in den Zuschauerraum hinein. Beidseits der scharfen Spitze öffnen sich Raumdreiecke: die Territorien von Elisabeth und Maria. In nebliger Halbdüsternis tasten sie der Klinge entlang aufeinander zu – eine schneeweiße und eine blutrote Königin, hochaufgerichtet und im Hosenanzug...
Hier entsteht gerade ein Gefängnis – nicht Gitterstab um Gitterstab, aber Wand um Wand. Ein einfaches Haus wird gebaut auf der kleinen Bühne im Ballhof des Hannoverschen Staatsschauspiels, von einem einfachen Mann – und hinter den Kulissen, die Michael Sebastian einer nach der anderen hereinträgt und montiert, werden am Ende all die Geschichten versteckt sein, die...
Willkommen im alternativen Jugendzentrum, nur echt mit Bühnenelementen aus Bierkästen und cooler Riot-Girls-Band, die mit Elektropunk einmal so richtig vom Leder zieht. In diesem Setting lassen Regisseurin Kathrin Brune und Kostüm- und Bühnenbildnerin Pia Wessels im Chemnitz die Uraufführung von Paula Irmschlers Debütroman «Superbusen» von der Leine.
Tatsächlich...
