Bomben entschärfen im freien Fall
Genie ist die Kraft, sich unendlich Mühe zu geben», aber «sich Mühe geben allein nützt gar nichts». Zwischen den beiden Sentenzen aus Alexander Kluges filmischem Frühwerk «Ar -tisten in der Zirkuskuppel: ratlos» steckt das ganze verfluchte Dilemma der Kunst wie des Lebens. Doch zum Glück liefert der unentwegte Gedankenjongleur und Assoziationskünstler Kluge, der gerade mit wunderbarer Leichtig -keit 90 Jahre alt geworden ist, den Trost gleich hinterher: «Ratlos ist kein negatives Attribut. Ratlosigkeit ist ein Zustand, der Suchbegriffe in Gang setzt.
Besser ratlos als tatenlos.»
Damals im Film machte sich die Zirkus-Erbin Leni Peickert, tapfer und unnahbar gespielt von der jungen Hannelore Hoger, auf die Suche nach der Möglichkeit eines Reformzirkus, in dem keine dressierten, sondern authentische Tiere ausgestellt werden – ein Paradox und selbstverständlich unerfüllbar, aber auch ein treffendes Bild für die Aufbruchstimmung in der Bundesrepublik um 1968. Rat sucht sie vergebens unter anderem auf einem Kongress der Zirkusunternehmer (zu sehen sind Bilder vom letzten Treffen der Gruppe 47 im Jahr zuvor) und strandet schließlich – «Nur als Kapitalist, ändert man das, was ist» – doch ...
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Theater heute Mai 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Silvia Stammen
nach Dante Alighieri, Das neue Leben
Regie Christopher Rüping, Schauspiel Bochum
Wie geht das mit der Liebe?, fragt Dante Alighieri die ewigfrische Frage in «Das neue Leben». Seine Antwort fällt äußerst doppelbödig aus, denn einerseits geht da gar nichts, und andererseits entsteht große Kunst, nämlich eben jenes «Das neue Leben». Freud hätte das Verfahren...
Die extreme Gewalt, von der Hakim Bah in «Auf dem Rasen» erzählt, bleibt sonderbar verhüllt in Sprache. Dabei steht alles wortwörtlich drin in dem mitunter schwer zu ertragenden Text: Soldaten eines Schurkenregimes schlagen Demonstrantinnen tot, vergewaltigen sie mit Gewehrläufen, lassen sie in Containern verwesen oder schmeißen sie ins Meer. Aber mit jeder...
Armin Petras hat Pech gehabt. Erst fällt die Premiere von «Auferstehung» nach Lew N. Tolstoi zwei Mal wegen Erkrankungen im Ensemble aus, dann macht ihm der russische Angriffskrieg einen Strich durch die Rechnung. Denn während man vorher vermutlich vieles an seiner Inszenierung ganz interessant gefunden hätte, wirkt es in Anbetracht der derzeitigen Lage eher...
