Bomben entschärfen im freien Fall

Mit «Wer immer hofft, stirbt singend» feiert Jan-Christoph Gockel an den Münchner Kammerspielen die «Reparatur einer Revue» nach Geschichten und Motiven von Alexander Kluge

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Genie ist die Kraft, sich unendlich Mühe zu geben», aber «sich Mühe geben allein nützt gar nichts». Zwischen den beiden Sentenzen aus Alexander Kluges filmischem Frühwerk «Ar -tisten in der Zirkuskuppel: ratlos» steckt das ganze verfluchte Dilemma der Kunst wie des Lebens. Doch zum Glück liefert der unentwegte Gedankenjongleur und Assoziationskünstler Kluge, der gerade mit wunderbarer Leichtig -keit 90 Jahre alt geworden ist, den Trost gleich hinterher: «Ratlos ist kein negatives Attribut. Ratlosigkeit ist ein Zustand, der Suchbegriffe in Gang setzt.

Besser ratlos als tatenlos.» 

Damals im Film machte sich die Zirkus-Erbin Leni Peickert, tapfer und unnahbar gespielt von der jungen Hannelore Hoger, auf die Suche nach der Möglichkeit eines Reformzirkus, in dem keine dressierten, sondern authentische Tiere ausgestellt werden – ein Paradox und selbstverständlich unerfüllbar, aber auch ein treffendes Bild für die Aufbruchstimmung in der Bundesrepublik um 1968. Rat sucht sie vergebens unter anderem auf einem Kongress der Zirkusunternehmer (zu sehen sind Bilder vom letzten Treffen der Gruppe 47 im Jahr zuvor) und strandet schließlich – «Nur als Kapitalist, ändert man das, was ist» – doch ...

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Theater heute Mai 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Silvia Stammen

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