Freundlich, aber unerbittlich

Die Bühnen Bern haben mit Roger Vontobel und Felicitas Zürcher eine neue Leitung. Zum Einstieg gab es Schiller, Shakespeare und eine Schweizer Sexpuppe

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Wie das Beil eines Scharfrichters ragt der portalhohe Keil an die Rampe, fast in den Zuschauerraum hinein. Beidseits der scharfen Spitze öffnen sich Raumdreiecke: die Territorien von Elisabeth und Maria. In nebliger Halbdüsternis tasten sie der Klinge entlang aufeinander zu – eine schneeweiße und eine blutrote Königin, hochaufgerichtet und im Hosenanzug eingeschlossen die eine, wallend und auffahrend die andere. Streng, klar, rhetorisch ist dieser Einstieg in Schillers Tragödie und hochgradig theatralisch, im guten Sinn, als Ab -strahierung und Überhöhung.

Olaf Altmanns Henkersbeil wird sich auf der Bühne drehen, wird Raum freigeben für changierende Machtkonstellationen. Roger Vontobel wird sie präzise herausarbeiten, in einer schlanken Textfassung und mit einem kleinen Ensemble, neben den beiden Königinnen nur gerade Leicester, Burleigh, Talbot, Mortimer und Paulet, fünf intrigante Jungs in Schwarz, die einzige weitere Frauenrolle ist der arme Davison, dem das fatale Todesurteil anvertraut ist. 

Vontobel stellt die Frauenfiguren in ihren Machtpositionen ins Zentrum seiner Inszenierung, als Gefangene in einem patriarchalen System. Er arbeitet sehr eindrücklich die politischen ...

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Theater heute Mai 2022
Rubrik: Start Bern, Seite 52
von Andreas Klaeui

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