Smells like Jugendzentrum

nach Paula Irmschler «Superbusen» (U) im Theater Chemnitz, Spinnbau

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Willkommen im alternativen Jugendzentrum, nur echt mit Bühnenelementen aus Bierkästen und cooler Riot-Girls-Band, die mit Elektropunk einmal so richtig vom Leder zieht. In diesem Setting lassen Regisseurin Kathrin Brune und Kostüm- und Bühnenbildnerin Pia Wessels im Chemnitz die Uraufführung von Paula Irmschlers Debütroman «Superbusen» von der Leine. 

Tatsächlich spielt der Roman um die Ich-Erzählerin Gisela im Milieu der geldarmen, irgendwie linksorientierten Studierenden, die in allen Unistädten genau solche Räume bevölkern.

Fehlt eigentlich nur der strenge Geruch von Pisse und verschüttetem Bier. Doch hier ist nicht Club, hier ist Theater, Gisela wird gespielt von Magda Decker, Clemens Kersten und Andrea Zwicky, die sich die Bälle (oder sollte man sagen Bierkästen?) dieses inneren Monologs hin- und herwerfen, während auf den Monitoren langsame Videoclips realsozialistischer Architektur (Video: Peter Roßner) oder Partyfotos Kontexte produzieren. 

Der Text hat die Form einer Spirale: Er startet mit Chemnitzer Lokalkolorit wie dem Fehlen eines IC-Anschlusses und Anmerkungen zur Wende, und kommt rasch zu den Nazi-Ausschreitungen von 2018, um schließlich mit gebremstem Tempo die ...

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Theater heute Mai 2022
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Torben Ibs

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