Bochum: Zettelwirtschaft

Kleist «Der zerbrochne Krug»

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Der Fall ist gleich gelöst, aber ein Herz bleibt zerrissen. Kleists «Der zerbrochne Krug», erzählt nicht so sehr als Höllensturz und Sündenfall des alten Adam, sondern als Evchen-Tragödie. Sie verliert den Glauben an die Menschheit. Ihr allein gehört zunächst die Bühne in den Bochumer Kammerspielen: Eves seelischer Not, die alles aussagen könnte, aber nichts sagen darf. Sarah Grunert ist – schlicht, quellklar, ganz bei sich in gesammelter Wut – eine in ihrem Gefühl und ihrem Sein Betrogene, um den Atem gebracht von der Pression, die auf sie ausgeübt wird.

Das könnte mehr sein als Vorspiel und Enthüllungs-Dramaturgie, zumal durch den von Anselm Weber eigenwillig an den Beginn platzierten Monolog. Wie vor sechs Jahren Andrea Breth, als diese für die Ruhr­triennale im Salzlager der Kokerei Zollverein Kleists Komödie – ohne Happy End – inszenierte, wählt auch Weber diejenige Variante, die Eve und ihrer Qual gehört, später dann auch ihrer alpträu­merischen Weltsicht, ihrer Skepsis in den Staat, seine Versprechungen, seine Repräsentanten.

Dann erst schält sich der angeschlagene Dorfrichter aus seinen Federn, die hier Papiere sind. Zettelwirtschaft. Dann erst setzen sich die Versatzstücke ...

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Theater heute Februar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Andreas Wilink

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