Bilder des Wahns
Nathanael huscht die graue Wendeltreppe hinauf. Coppelius kommt, der unheimliche Freund seines Vaters, und die Kinder müssen verschwinden, ins Bett. Wo Nathanael dann hellwach liegt und lauscht. Doch ist es wirklich Coppelius, diese düstere Schreckensgestalt, die später am Tod seines Vaters beteiligt sein wird? Oder nicht vielmehr, wie dem Jungen seine Amme zuraunt, der Sandmann, der den Kindern, die nicht schlafen wollen, händeweise Sand in die Augen streut, bis diese blutig herausfallen und er sie seinem Nachwuchs verfüttern kann?
In dieser Kindheitswelt, das wird in E.T.A.
Hoffmanns Erzählung ebenso wie in Lilja Rupprechts Inszenierung rasch klar, ist nichts so, wie es scheint. Protagonist Nathanael beobachtet aufmerksam, was die Erwachsenen so treiben – und macht sich, zwischen dem Schweigen der Eltern und den Schauergeschichten der Amme, seinen eigenen Reim darauf. In ihrer Inszenierung im Großen Haus des Schauspiel Frankfurt taucht Rupprecht ab in die wahnhafte Wahrnehmung Nathanaels, der in seinem Studienort auf einen Mann trifft, den er für Coppelius hält – und prompt zurückgeworfen wird in seine Kindheitsängste.
Mitja Over spielt diesen Nathanael mit berührender ...
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Theater heute Juli 2025
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Esther Boldt
Guten Abend liebes Publikum, liebe Theaterkolleg:innen, liebe Jury, liebe Gastgeber:innen, guten Abend liebe Sivan und herzlich willkommen zu der Verleihung des Mülheimer Dramatikpreises 2024 an die Autorin Sivan Ben Yishai für ihr Stück «Nora oder Wie man das Herrenhaus kompostiert».
Wie einigen von Ihnen schon aufgefallen ist, bin ich deutlich jünger und...
Niemand hätte von ausgerechnet ihm erwartet, dass er stirbt. Er hat es selbst gesagt: Ich war schon immer so, so bleib ich. In seinem Fall ist der Reim eine Fügung: Wer schreibt, der bleibt, und Trolle, der ziemlich lang dabeigewesen war, wird bis in eine Zukunft bleiben, die niemand von uns absehen kann, solange Schrift und Theater oder eins von beiden existiert....
1
Ein Schlafzimmer, C und S im Bett. Sie versuchen zu schlafen, aber werden durch großen Lärm aus der Wohnung über ihnen gestört. Aufgebrachte Stimmen, ein heftiger Streit, Gepolter, geworfene Gegenstände. Dazwischen immer wieder jammernde Kinderstimmen.
C Ah, jetzt kommen auch die Kinder dazu. Jetzt können wir’s vergessen.
S Ja.
C Letztes Mal habe ich den älteren...
