Barrikaden gegen die anrennende Zeit

Eine Grabrede auf den Dichter und ein Spaziergang durch Lothar Trolles Welt

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Niemand hätte von ausgerechnet ihm erwartet, dass er stirbt. Er hat es selbst gesagt: Ich war schon immer so, so bleib ich. In seinem Fall ist der Reim eine Fügung: Wer schreibt, der bleibt, und Trolle, der ziemlich lang dabeigewesen war, wird bis in eine Zukunft bleiben, die niemand von uns absehen kann, solange Schrift und Theater oder eins von beiden existiert. Trolles Werk – das man, obwohl natürlich ganz unmöglich abgeschlossen, spätestens von jetzt an wirklich so nennen sollte – ist ein Werk in umfassendster Bedeutung.

Eine Produktionsanstalt, eine Fer -tigungshalle, ein Kombinat, ein Tagebau, ein Einkaufsladen und natürlich eine Bibliothek, worin alle Stücke, alle Szenen, alle Verse ein Re -servoir bilden, aus dem das Theater schöpfen kann. Das Besondere daran? Nicht, dass es einfach nur viel ist – dass es in seiner Vielfalt auch verschiedentlich, wie ein Baukasten zu kombinieren ist.

Hinter der versiegelten Tür
Als ich im Früühahr 2010 mein Büro in der Volksbühne bezog und die versiegelte Tür freigegeben wurde, steckte zwischen den vom Vorgänger geleerten Regalen eine Briefablage, auf der «Trolle» stand, überfüllt mit Stückentwürfen, Wurfsendungen – ohne Leser, wie es ...

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Theater heute Juli 2025
Rubrik: Akteure, Seite 34
von Thomas Martin

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