In der großen Scheune
Es ist ein fast magischer Moment: Lautlos und langsam schiebt sich etwa auf der Hälfe des Abends ein menschhoher Glaskasten aus der Unterbühne. Drinnen hängt ein raumgreifender Ast, weit verzweigt ist er und doch abhackt, in seinem Wachstum gestoppt. Surreal scheint er im Raum zu schweben in dem schwefelgelben Licht (Marius Lorenzen), das diesen erfüllt, scheint bedrohlich zu mahnen und lässt alle Figuren ehrfürchtig innehalten.
Die Bühnenbildnerin Yuni Hwang hat dieses eindrucksvolle Bild geschaffen, das von Ingas Leichnam erzählt, von ihrer Kammer, von ihrer Totenwache, von der Trauer und der Schuld. Von einem gewissen Andreas Vest wurde Inga in einen Abgrund gestoßen. Als verstörter, traumatisierter Fremder kam er auf die Insel, auf der Tarjeis Vesaas’ Roman «Der Keim» spielt. Als Mörder der Gutshoftochter Inga Li wird er gejagt und bald von den Inselbewohner:innen getötet werden, von einer zügel -losen Meute, angeführt von Rolv, Ingas Bruder. «Der Keim» ist mystisch, voller Naturmetaphern und Auslassungen und auf seinen gut 200 Seiten auch voller wortkarger Gespräche. Der norwegische Autor Vesaas (1897–1979) erzählt in diesen Werk in Stimmungen, kaum in Dialogen. Geschrieben ...
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Theater heute Juli 2025
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Katrin Ullmann
Eine lange Tafel mit zahlreichen Stühlen unterschiedlichster Form und Größe erstreckt sich über die Breite der Bühne. Samtbezogen mit hoher Lehne wie ein Thron der eine, aus derbem Holz der andere, ein dritter ragt kaum über die Tischkante (Bühne Nina Linkowski). Durch den dunklen Vorhang dahinter lugt das gespenstisch blasse Gesicht einer Frau mittleren Alters....
Das ist jetzt also das Vermächtnis. «Die Jahre» von Annie Ernaux, die letzte große Produktion zum Ende von Joachim Lux’ 16-jähriger Intendanz am Hamburger Thalia Theater, inszeniert von Jette Steckel. Das ist ein Statement, einerseits wegen der Regisseurin: Ihr das letzte Wort zu übergeben, kann ein bisschen die Vorwürfe entkräften, dass Frauen in Lux’ Theater...
Wir, die unterzeichnenden Schriftstellerinnen und Schrifsteller aus England, Wales, Schottland, Nordirland und der Republik Irland, bitten unsere Nationen und die Völker der Welt, sich uns anzuschließen und unser kollektives Schweigen und unsere Untätigkeit angesichts des Schreckens zu beenden.
Vor einem Jahr und sieben Monaten wurde die palästinensische Dichterin...
