Berlin: Ubu vor Germanien
Hinter der Rampe im kleinen weißen Kasten in der Box des Deutschen Theaters ein Abgrund, aus dem sich Hände recken, bevor sich drei Gestalten in Ganzkörper-Lederanzügen in abgestuften Brauntönen hochhangeln – das Unterirdische, jetzt kommt es nach oben.
Viel braucht András Dömötör nicht, um aus Alfred Jarrys 130 Jahre alter Despoten-Farce «König Ubu», entstanden aus einem Schulstreich und einer der ersten Großskandale der Theatergeschichte, eine quietschend laute Spaßkiste mit Gegenwartsbezügen zum narzisstischen Giercharakter im Regierungsfach zu basteln: eine Menge Schaumstoffquader und -accessoires zur Markierung der zahlreichen Figuren- und Ortswechsel und drei spielwütige Darsteller. Elias Arens, mittelbraun, verkörpert laut Programmzettel nicht weniger als 21 Figuren(ähnliches), vom Boten bis zum Feuer, vor allem aber Hauptmann Bordure, den wichtigsten Handlanger des dunkelbraunen Père Ubu – Bozidar Kocevski, der auch noch die ganze russische und die ganze polnische Armee gibt. Angetrieben von Lady Mère Ubu (Linda Pöppel, hellbraun mit flatternden Schaumstoffbrüsten) massakriert er den amtierenden König Wenzel, «enthirnt» die real existierende Elite, sackt sämtliche Steuern ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2017
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Barbara Burckhardt
Franz Wille Ayad Akhtar, Ihre Stücke und Ihr Roman «American Dervish» – die Coming-of-Age-Geschichte eines wohlbehüteten pakistanischstämmigen Jungen im Milwaukee der 1980er Jahre – kreisen um kulturelle Identität. In einem amerikanischen Fernsehinterview haben Sie sich als einen «kulturellen Muslim» bezeichnet. Was ist das?
Ayad Akhtar Viele meiner jüdischen...
Gut so. Ewald Palmetshofers Stück, ausgezeichnet mit dem Mülheimer Dramatikerpreis vor bald schon wieder zwei Jahren, erleidet offenkundig nicht das Schicksal vieler und selbst starker neue Theatertexte: einmal aufgeführt zu werden und dann nie wieder. Schon Anfang des vorigen Jahres hatte das Mainzer Theater in einigen Aufführungen die Koproduktion mit dem...
Gut drei Dutzend Eimer Kunstblut versickern jeden Abend im Gitterrostboden, dazu vier Akteure in wechselnden Figurenkonstellationen, eine Konfetti-Kanone und immerhin mehr als die Hälfte vom Originaltext «Hamlet» – so macht sich Christopher Rüping, der junge Hausregisseur der Münchner Kammerspiele, über Shakespeares Prinzen her und entdeckt dabei im notorischen...
