Die Vermeidung des Politischen
Natürlich wirkt Eszter not amused, als mitten in der Nacht ihre Schwester Ernella vor der Wohnungstür steht, Mann und Teenie-Tochter inklusive. Schließlich ist es keine zwölf Monate her, dass Ernellas Gatte just auf dieser Türschwelle großspurig von dauerhafter Auswanderung gesprochen hatte: Mindestens zehn Jahre lang bräuchte hier, in Budapest, niemand mehr mit ihnen zu rechnen.
Und jetzt hat sich die rosige Exil-Fantasie schon nach einem knappen Zehntel der Zeit hoffnungslos erledigt: Offenbar ist die schottische Realität steil abgefallen gegen das Wirtschafts- und Sozialparadies, das man sich in seinen sehnsüchtigen Budapester Träumen zurechtgezimmert hatte.
So genau erfährt man das allerdings leider nicht, weil der Theaterabend sich lieber in eine andere Spur wirft. Eszter (Orsolya Török-Illyés) und Ernella (Lilla Sárosdi) erfüllen hier vor allem die gute alte dramatische Funktion des ungleichen (Schwestern-)Paares: auf der einen Seite die neobürgerliche Dutt-Trägerin mit hippem arty touch, auf der anderen die herzhaft Zupackende mit leichtem Drift ins Prollige – die sich denn in Schottland auch sogleich in eine Affäre mit einer deutlich jüngeren Art Pferdeflüsterer gestürzt ...
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Theater heute März 2017
Rubrik: International, Seite 40
von Christine Wahl
Premieren im März
Aachen, Grenzlandtheater
13. Zeller, Der Vater
R. Rüdiger Pape
Aachen, Theater
30. Soleimanpour, Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen (Theaterexperiment)
R. Ensemble
31. Capote, Frühstück bei Tiffany
R. Jan Langenheim
Aalen, Theater der Stadt
25. Lessing, Nathan der Weise
R. Tina Brüggemann
Altenburg/Gera, TPT
9. McNally, Meisterklasse
R. Kay Kuntze (Altenburg)
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Gut so. Ewald Palmetshofers Stück, ausgezeichnet mit dem Mülheimer Dramatikerpreis vor bald schon wieder zwei Jahren, erleidet offenkundig nicht das Schicksal vieler und selbst starker neue Theatertexte: einmal aufgeführt zu werden und dann nie wieder. Schon Anfang des vorigen Jahres hatte das Mainzer Theater in einigen Aufführungen die Koproduktion mit dem...
Nein, der Bühnen-Kurth, in letzter Zeit in Stuttgart etwa der weise Nathan oder der Handlungsreisende Willy Loman, ist untätowiert. Der Film-Peter ist es umso mehr. Sein massiger Körper ist eine große Spielfläche für Körpergrafiker, und Gezeichnete sind im Kino mittlerweile so etwas wie Peter Kurths Rollenprofil geworden. Wuchs ihm 2015 in «Die Kleinen und die...
