Das Sein zur Mode

Elfriede Jelinek schöpft mit «Das Licht im Kasten» in Düsseldorf aus einem reichen Modeleben, während Roland Schimmelpfennigs «Das große Feuer» in Mannheim eine ganz einfache Geschichte erzählt

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Das Schreiben, meinte Elfriede Jelinek vor über zehn Jahren einmal, nachdem sie den Literaturnobelpreis erhalten hatte, das Schreiben sei für sie Überleben. Sie werfe sich, indem sie schreibe, aus sich heraus: «Denn wenn ich mir meiner Identi­tät bewusst werde, bin ich tot.» Das klingt ein wenig dramatisch und kunstlebensmäßig pompös, ist aber – wie fast alles, was Elfriede Jelinek so schreibt – ziemlich sachlich gemeint.

Als eingefleischte Heidegger-Leserin weiß sie, dass Menschen keine «Identität» haben, sondern eine Lebensgeschichte, in deren Verlauf sie sich höchstens – und oft vergeblich – um ein konsistentes Selbstbild bemühen können. Wenn die Lebensgeschichte mit all ihren Entwicklungen, Veränderungen und Brüchen – Heidegger, der es vom katholischen Theologen zum antisemiti­schen Nazihetzer zum Schwarzwaldorakel gebracht hat, ist ein gutes Beispiel –, wenn dieses Leben einmal vorbei ist, dann ist man eben: tot.
Menschliche Identität kann schon deshalb nicht klappen, weil sich der Körper über seine 50, 60, 70 oder mehr Jahre dauernd verändert, in der Regel nicht zu seinem Vorteil. Und das Selbstbild, wenn es denn vom Selbst überhaupt zugelassen oder zustandegebracht wird, ist ...

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Theater heute März 2017
Rubrik: Neue Stücke, Seite 30
von Franz Wille

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