Spionage
Was zeigt man, und was verbirgt man, was darf man sehen und was nicht? Fragen, die das Theater schon immer beschäftigt haben und die seit Kurzem durch die zweischneidigen Errungenschaften von Social Media und Big Data unweigerlich in unserem täglichen Leben angekommen sind, wo das Spektrum von Information und Neugier über Voyeurismus und Exhibitionismus mittlerweile bis zu totaler Überwachung und Identitätsraub reicht. Ob einen bei diesem, dank Snowden und Co.
nicht mehr zu leugnendem Ist-Zustand nur ein leichter Schwindel oder bereits blanke Paranoia überfällt, liegt wohl hauptsächlich an der Verdrängungskonstitution des Einzelnen. Wo Dispositive der Macht wie Privatheit oder Geheimnis ihren kulturhistorischen Ursprung haben und welche Rolle die Kunst bei einem offensiven Umgang damit spielen kann, darüber hat man sich nun an den Münchner Kammerspielen im Rahmen der internationalen Konferenz «Sensible Daten: Die Kunst der Überwachung» in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Goethe Institut, kuratiert von den Journalisten Tobi Müller und Sarah Harrison (Wikileaks), tiefgehende Gedanken gemacht.
Bereits im Dezember 2016 hatte die Gruppe Rimini Protokoll ...
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Theater heute März 2017
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Silvia Stammen
Einmal wird es an diesem Abend richtig komisch: Da schiebt sich Kay Bartholomäus Schulze als Bruder des eingebildeten Kranken in den klinikweiß gekachelten Bilderrahmen, den Bühnenbildner Olaf Altmann zentral über den Schaubühnenbrettern schweben lässt. Ein Embryo von einem Mann ist das, glatzköpfig, gesichtslos, ein Arm unter der mumienhaften Ganzkörperverklebung...
Der Dichter Dante hat sich in ein Basler Theaterdepot verirrt. Dort steht er, umzingelt von einem Wald von Requisiten, und weiß nicht: auftreten oder abtreten? Vor 700 Jahren, im Originaltext des florentinischen Stadtaristokraten Durante Alighieri, hatte er es noch einfacher. Damals war ein Wald noch ein Wald, sprich: ein unheimlicher Ort, wo einen Raubtiere...
Gut drei Dutzend Eimer Kunstblut versickern jeden Abend im Gitterrostboden, dazu vier Akteure in wechselnden Figurenkonstellationen, eine Konfetti-Kanone und immerhin mehr als die Hälfte vom Originaltext «Hamlet» – so macht sich Christopher Rüping, der junge Hausregisseur der Münchner Kammerspiele, über Shakespeares Prinzen her und entdeckt dabei im notorischen...
