Berlin: Theatrale Dienstleistung
Die Protagonistin im Superman-Outfit laboriert an einem «Divaanfall». Soeben hat sie zum zwölften Mal mitten in ihrem Elektra-Monolog die Bühne verlassen. Klarer Fall von «no service» also: «Ich bin eben nicht immer in Geberlaune», erschließt die Diven-Darstellerin Kathrin Angerer dem Theater neue Verweigerungsnöldimensionen.
René Polleschs Berliner Volksbühnen-Abend «Service/No Service» – ein vergleichsweise epischer Neunzigminüter – tritt also wider den Dienstleistungs-Status-quo der gemeinen Bühnenkunst an und lässt die Zuschauer in Bert Neumanns letztem Theaterraum betont kundenunfreundlich auf dem blanken Boden hocken. Die Sitzsäcke, auf denen man sich in der spielzeitübergreifend vollasphaltierten Volksbühne bei Frank Castorfs «Karamasow»-Marathon noch lümmeln durfte, sind eliminiert – was dem Thespiskarren, auf dem sich der Schauspieler Daniel Zillmann als Regisseurs-Karikatur übers Szenario schieben lässt, immerhin größere Radien ermöglicht.
Apropos Antiken-Karre: Die Theaterhistorie fungiert an diesem Abend quasi als Dauer-Sidekick; allerdings eher im (gemessen am «No Service»-Credo durchaus publikumsfreundlichen) Entertainment- und Behauptungsmodus als in jenem ...
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Theater heute Februar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 46
von Christine Wahl
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