Niemand hat nur eine Identität
Ivo Dimchev ist ein sanfter und wilder Künstlerteufel aus Bulgarien, der uns mit Sarkasmus, Schmerz, abgründig und komisch die Strukturen einer läppischen sozialen Verabredung um die Ohren haut und immer etwas weiter geht als die Erwartung. Als osteuropäische, nicht traditionelle Hure (wie er sich einmal nennt), holländisch geschult in postdramatischer Performance, seziert er obszön und perfide die Aporien unserer Kultur.
Immer mit dem Ganzkörpereinsatz einer perfekt gestalteten Physis, die auf der Bühne Projektionsfläche, Medium und Skulptur wird, mit einem sehr speziellen Gang als Diva, Flittchen, Künstler, unverschämt und glamourös. Dabei entstehen Kunstwerke von großer Schönheit und Grazie und von beißendem Spott, bis hin zur der Selbstvernichtung des Künstlers. Denn Ivo Dimchev nimmt sich selbst nicht heraus aus dem, was er sich rausnimmt. Er hat bisher über dreißig Produktionen geschaffen, eigenwillige Performances zwischen Tanz, Theater, Musik, Bildender Kunst, die viele Preise erhielten und in den letzten Jahren regelmäßig in Sofia, Wien, Brüssel, Amsterdam, Berlin und New York zu sehen waren.
1978 in Bulgarien geboren, studierte er zunächst Gesang in Sofia, dann Tanz, und ...
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Theater heute Februar 2016
Rubrik: Akteure, Seite 34
von Stefanie Carp
«Wahrscheinlich trage ich eine furchtbare Schuld, aber meine Gedanken sind ganz durcheinander, meine Seele ist in Trägheit erstarrt, und ich habe nicht die Kraft, mich zu verstehen.» (Iwanow)
1. MEIN MANTRA
Ich bin ein Mensch, ich bin ein Mensch, ich bin schon erwachsen, ich bin schon erwachsen, ich bin okay, das ist mein Mantra, das ist mein Mantra, das ist...
Als Jack in der Wüste den Talibanskis gegenüber steht, bleibt ihm nur die Erinnerung an Annie Ocean – als Schwarz-Weiß-Bild leuchtet sie auf einem alten Röhrenfernseher, der zu Hause in der Wohnung ihres verstorbenen Vaters steht. Es ist der Fernseher, auf dem er sich immer seine alten Western-Videos angesehen hat. Und vor dem jetzt Annie Ocean auf dem Sofa liegt,...
Die neuen Orte mit der neuen Kunst, das ist auch so eine Schimäre. Die Kunst ist an diesen Orten immer «spannend». Man rennt diesen Orten hinterher und kommt nie bei ihnen an. Und weiß das sogar vorher. Aber die Schimäre bleibt. Das Rennen auch. Wahrscheinlich hat es was mit den eigenen Anfängen zu tun, als man irgendwo war, es aufregend fand, wieder hinging, es...
