Neue Orte: Temporäre Übernahme
Die neuen Orte mit der neuen Kunst, das ist auch so eine Schimäre. Die Kunst ist an diesen Orten immer «spannend». Man rennt diesen Orten hinterher und kommt nie bei ihnen an. Und weiß das sogar vorher. Aber die Schimäre bleibt. Das Rennen auch. Wahrscheinlich hat es was mit den eigenen Anfängen zu tun, als man irgendwo war, es aufregend fand, wieder hinging, es immer noch spannend fand, irgendwann dabei war und so eine kleine Heimat gefunden hatte. Die man später zugleich vergisst und verklärt. Und ihr hinterher rennt.
Und dann, während man rennt und anderes tut, taucht er doch auf, so ein neuer Ort für eine neue Kunst.
Die Tagesschau, gesungen
In Frankfurt, im Frankfurter Nordend, gegenüber vom Mousonturm, befinden sich die Naxoshallen. Dort gibt es seit langer Zeit die verlässlichste Größe der Frankfurter Freien Szene, das Theater Willy Praml, das schon immer (mehr oder minder) eine Art alternativer Klassikerpflege betreibt. Innerhalb dieses Theaters «Willy Praml» hat sich das «Studio Naxos» etabliert, für zwei Monate Ende 2015. Ein paar Leute übernehmen mit Billigung des Hausherrn den Laden, von der Kneipe bis zur Bühne.
Diese Leute sind Simon Möllendorf, Regisseur, Daniel Schauf, ...
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Theater heute Februar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Peter Michalzik
«Wahrscheinlich trage ich eine furchtbare Schuld, aber meine Gedanken sind ganz durcheinander, meine Seele ist in Trägheit erstarrt, und ich habe nicht die Kraft, mich zu verstehen.» (Iwanow)
1. MEIN MANTRA
Ich bin ein Mensch, ich bin ein Mensch, ich bin schon erwachsen, ich bin schon erwachsen, ich bin okay, das ist mein Mantra, das ist mein Mantra, das ist...
Als Jack in der Wüste den Talibanskis gegenüber steht, bleibt ihm nur die Erinnerung an Annie Ocean – als Schwarz-Weiß-Bild leuchtet sie auf einem alten Röhrenfernseher, der zu Hause in der Wohnung ihres verstorbenen Vaters steht. Es ist der Fernseher, auf dem er sich immer seine alten Western-Videos angesehen hat. Und vor dem jetzt Annie Ocean auf dem Sofa liegt,...
Gesinnungsapplaus gehört derzeit einfach dazu in München: Als Gora aus dem riesigen «Welcome»-Transparent über der Bühne des Residenztheaters mit einer Malerrolle ein «We come» zaubert, ist es so weit, demonstratives Klatschen im Zuschauerraum. Dabei geht es zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr darum, Überzeugungen zu transportieren, höchstens noch um Trotz, denn...
