Beredtes Dunkel
Was für eine einzigartige Madonnenfresse sie hat, diese riesigen Glotzeaugen, der weit oben auf den Schädel verschobene Haaransatz, dieser leichenbleiche Teint: Die Schauspielerin Brigitte Hobmeier, Liebling des Münchner Theaterpublikums, ist (wie nicht wenige herausragende Darstellungskünstler) ein Monster, eine Zumutung, eine mitunter nur schwer erträgliche Nervensäge.
Die kann oft zuviel, denkt man ächzend als Betrachter, die flirrt und glitzert, die wütet und verzagt, wo ein sturznormaler Alltagston angebracht wäre, und stets drängt sie ins Zentrum, auch wenn sie am Rand verkümmern müsste. In Stephan Kimmigs «Glaube Liebe Hoffnung» in den Münchner Kammerspielen ist die Hobmeier endlich mal eine Mauerpflanze. Kein strahlendes Elend, sondern ein (trotz ihres knielangen roten Mäntelchens) graues, trostloses, hingewischtes. Keine Heldin, sondern eine trübe, herumgeschubste, matt gesetzte Spielfigur der Schicksals- und Wirtschaftsmächte.
An Hobmeiers Elisabeth in Horváths «Glaube Liebe Hoffnung» in den Münchner Kammerspielen lässt sich schon fast die ganze Kunst des Regisseurs Stephan Kimmig exemplifizieren. Seine kluge Scheu vor dem Pathos, seine psychologische Genauigkeit. Das ...
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