Haken und Ösen
Das Gegenteil von Empörung ist Entspannung. Dass Regisseur Daniel Foerster seine Uraufführungsinszenierung von Caren Jeß’ neuem Stück «Eleos» in einem Spa namens «Relaxation» verortet, soll also vermutlich szenische Reibungsenergie freisetzen. Laut Untertitel haben wir es nämlich mit einer «Empörung in 36 Miniaturen» zu tun.
Im Haus zwei, der kleinen Bühne des Grazer Schauspielhauses, hat das Ausstattungs-Team (Mariam Haas, Lydia Huller, Robert Sievert) mit ein paar Kulissenwänden eine Wellness-Oase skizziert, die teils nur per Live-Video einsehbar ist; auf den Türen steht «Sauna» oder «Ruheraum», die acht Schauspieler:innen lehnen an der Bar, entspannen im Liegestuhl oder planschen im Jacuzzi. Anscheinend ist gerade eine Themenparty im Gang, sind manche Gäste doch als griechische Götter (Dionysos, Poseidon u.a.) kostümiert.
Mit ihrem ersten aufgeführten Stück «Bookpink» (Stückabdruck in TH 3/20) war die 1985 in Eckernförde geborene Caren Jeß für die Mülheimer Theatertage 2020 nominiert, die dann nicht stattfinden konnten. Wie «Eleos» wurde auch das Debüt in Graz – damals noch in Haus drei, der kleinsten Spielstätte – uraufgeführt, und beide Stücke haben episodischen Charakter: ...
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Theater heute Januar 2022
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Wolfgang Kralicek
Kolonialverbrechen, Klassismus, Jugendproteste in Südamerika, das defizitäre Europa – die Spielzeiteröffnung am Schauspiel Dortmund darf als Ansage verstanden werden. Zentral sind Politik, Perspektivwechsel, neue Texte. Und es geht hier grundlegend um die Positionsbestimmung als Künstler:in, als immer noch neues Ensemble um Intendantin Julia Wissert, die 2020...
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Schon der erste Moment ist auf gute Weise irritierend. Während man in den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin normalerweise auf der Tribüne Platz nimmt, sitzt man bei Jossi Wieler, der Jon Fosses neues Theaterstück «Starker Wind» inszeniert, auf der Spielfläche. Doch das begreift man erst so richtig, als sich der Vorhang lüftet und statt der Bühne der leere...
