Das Gleichgwicht
Kleine Lügen können die Lebensqualität entscheidend verbessern. Zum Beispiel Martina, Mitte 30. Nach dem Studium jobbt sie schon seit zweieinhalb Jahren in einem Zeitungskiosk, um die kleine Familie mit dem mäßig erfolgreichen Akademikergatten finanziell über Wasser zu halten. Erst als sie mit der Kassenabrechnung etwas kreativer umgeht, kann sie sich auch mal ihr Lieblingsparfum leisten und endlich im Biomarkt einkaufen. Oder Freja, in ihren 60ern. Dass sie der Kollegin nach deren Autounfall so selbstlos geholfen hat, war richtig nett.
Aber dass sie diese jüngere Kollegin, mit der sie ihr Arbeitgeber demnächst ersetzen wollte, selbst vors Auto geschubst hat, hat sie niemandem erzählt.
Manchmal helfen auch keine Lügen. Der nette, ordentliche Andrej hat Migrationshintergrund, Abitur und im Abendkolleg auch noch fleißig und erfolgreich Kurse für Marketing besucht. Weshalb ihm aber trotzdem keine Arbeit als Assistent der Geschäftsführung angeboten wird, sondern nach unzähligen erfolglosen Bewerbungen bestenfalls ein Job als Industriesanierer. Schließlich landet auch er im Zeitungskiosk. Martinas Mann wiederum hält sehr interessante Vorlesungen in Wirtschaftsgeschichte, aber als im ...
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Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Aufführungen/Festivals, Seite 40
von Franz Wille
Woran denke ich, wenn ich mich heute an Bert erinnere? Ich sehe natürlich den Friedhof vor mir, in diesem kleinen Ort, wo er jetzt, neben seinem Sohn, begraben ist – was für ein tief trauriges Bild. Aber ich sehe ihn auch in München im Englischen Garten stehen mit seiner Familie, ich sehe uns beide auf der Pariser Opernbühne in einem unglaublichen Buh-Orkan, ich...
Auf dem Foto von Bert Neumann, mit dem die Volksbühne auf ihrer Website den Tod ihres Chefbühnenbildners anzeigt, trägt er ein Shirt mit dem Aufdruck «Don’t look back» in deutscher Frakturschrift. Solche Widersprüche hatten es ihm angetan. Auf dem Foto schaut er natürlich nicht den Betrachter an, sondern zur Seite. Sehr, sehr weit zur Seite, fast schon nach hinten....
Man trifft an diesem Abend lauter gute alte Bekannte. Gemeint sind weniger die Kollegen und Theatermacher, die sich zur Rimini-Protokoll-Premiere von «Adolf Hitler: Mein Kampf, Band 1 & 2» nach Weimar aufgemacht haben, sondern vor allem das Bühnenbild, das Langzeit-Rimini-Beobachter bereits aus der Inszenierung «Karl Marx: Das Kapital, Erster Band» kennen und das...
