Das Gleichgwicht
Kleine Lügen können die Lebensqualität entscheidend verbessern. Zum Beispiel Martina, Mitte 30. Nach dem Studium jobbt sie schon seit zweieinhalb Jahren in einem Zeitungskiosk, um die kleine Familie mit dem mäßig erfolgreichen Akademikergatten finanziell über Wasser zu halten. Erst als sie mit der Kassenabrechnung etwas kreativer umgeht, kann sie sich auch mal ihr Lieblingsparfum leisten und endlich im Biomarkt einkaufen. Oder Freja, in ihren 60ern. Dass sie der Kollegin nach deren Autounfall so selbstlos geholfen hat, war richtig nett.
Aber dass sie diese jüngere Kollegin, mit der sie ihr Arbeitgeber demnächst ersetzen wollte, selbst vors Auto geschubst hat, hat sie niemandem erzählt.
Manchmal helfen auch keine Lügen. Der nette, ordentliche Andrej hat Migrationshintergrund, Abitur und im Abendkolleg auch noch fleißig und erfolgreich Kurse für Marketing besucht. Weshalb ihm aber trotzdem keine Arbeit als Assistent der Geschäftsführung angeboten wird, sondern nach unzähligen erfolglosen Bewerbungen bestenfalls ein Job als Industriesanierer. Schließlich landet auch er im Zeitungskiosk. Martinas Mann wiederum hält sehr interessante Vorlesungen in Wirtschaftsgeschichte, aber als im ...
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Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Aufführungen/Festivals, Seite 40
von Franz Wille
Personen
Mani (Mann, etwa 35 Jahre alt)
Casparus Van Houten (alter Mann)
Andrej (Mann, etwa 25 Jahre alt)
Peter (Mann in den 30ern)
Angestellte beim Getränkemarkt (Frau in den 50ern)
Silvana (Frau in den 60ern, Andrejs Mutter)
Ivan (13-jähriger Junge, Andrejs kleiner Bruder)
Jobcenterfrau (Ältere Frau)
Jobcentermann (Älterer Mann)
Bewerbung (1 Blatt Papier)
Die...
Dortmund zeigt «DIE Show». Aber nicht nur das Zeigen («show») wird gezeigt, sondern auch das Sterben («DIE»). Das Leben ist der Einsatz einer Fernsehwette. Ein unbewaffneter Freiwilliger wird eine Woche lang von einem Killerkommando durch die Stadt gejagt. Wenn er überlebt und in der live übertragenen Show ankommt, erhält er eine Million Euro, überlebt er nicht,...
Oberhofen am Irrsee, 20. Juli 90
In einem Gespräch für «Theater heute», das Thomas mir in der Abschrift zu lesen gab, bedauert er die wenig heroische Rolle, die er in der DDR gespielt hat, und präsentiert sich als einer, der mit der Macht nicht paktiert, aber auch nicht gegen sie aufbegehrt hat. Der Papa war an der Gründung des «besseren» deutschen Staates...
