Armut macht nicht sexy

Aber Schreiben ist erstmal keine schlechte Lösung: Dirk Laucke und «alter ford escort dunkelblau» Ein Porträt.

Theater heute - Logo

Ein überheiztes Hinterzimmer in Stuttgart. Das Auswahlgremium der Mülheimer Stücketage trifft sich nach dem letzten gemeinsamen Uraufführungsbesuch der Saison standesgemäß bei einem schmierigen Italiener, das einzige Lokal im Umkreis des Theaters, wo die schwäbische Sperrstunde interpretationsfähig bleibt. Gleich bei der ersten Abstimmungsrunde fallen fünf von fünf Stimmen auf Dirk Lauckes «alter ford escort dunkelblau». Einstimmig nominiert, Diskussion überflüssig. Das Stück muss Qualitäten haben.



Dass seine Texte auf Anhieb überzeugen, ist für Dirk Laucke nichts Neues. Sein Stück war schon beim Stückemarkt des Theatertreffens aufgefallen, hat ein Autorenwochenende der Münchner Kammerspiele bereichert und den Kleist-Förderpreis 2006 der Stadt Frankfurt an der Oder eingeheimst. Mangelnder Publikumszuspruch war ebenfall noch nie Lauckes Problem. Geschrieben hat er «eigentlich schon immer, Kurzgeschichten, Gedichte und Monologe», die er gelegentlich bei improvisierten Poetryslams in Hallenser Punkrockläden vorgetragen hat: «Das kam immer ganz gut an.»

Irgendwann hat er angefangen, «Monologe gegeneinanderzuschalten», und dabei gemerkt, dass «Dialoge auch fetzen». Was machte man als 17-, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2007
Rubrik: Autoren zu entdecken, Seite 48
von Franz Wille

Vergriffen
Weitere Beiträge
Entfesselt nüchtern

Eigentlich ist sie schon ganz lange da. Nur so richtig groß aufgefallen, das war sie bisher nicht. Immer wohlwollend erwähnt, nie abgestürzt, sicher eine Stütze des Ensembles, aber nie: ein Star. Judith Hofmann wird demnächst 40. Das würde keiner glauben, der sie nur auf der Bühne sah, aus der sicheren Entfernung des Parketts, geschminkt und in der Rolle...

18 Singles, 19 Paragrafen

Ich wurde noch nie wirklich gebraucht», lamentiert Artikel 18. In der von Harald Siebler produzierten Grundrechte-Verfilmung «GG 19 – 19 gute Gründe für Demokratie» hat Artikel 18 die Gestalt von Josef Ostendorf. Und das ist – gerade zum Auftakt des sonderbaren Unterfangens eines Grundgesetzfilms – eine verführerische Idee: Der Artikel selbst wird zur handelnden...

Am deutschen Mittagstisch

Im Grunde schreibt Elfriede Jelinek schon lange keine Stücke mehr. Sie stellt Textblöcke zur Verfügung, aus denen bei entsprechender Behandlung Theater werden kann. Sie sind dabei nicht zimperlich, diese Texte, im Gegenteil, sie wollen hart rangenommen werden. Dafür sind sie aber auch zu allem bereit und gänzlich uneitel, wenn es darum geht, sich offensiv benutzen...