Am Boden geblieben
Heute, gestern oder in naher Zukunft. «In der ausgeräumten Chefetage eines längst aufgegebenen Hochhauses», wie der Autor den Spielort der ersten Szene mit dem Titel «Ich bin da» beschreibt, treffen sich nach langer Zeit zwei alte Freunde aus Studententagen: ICH und ER, beide mittlerweile Anfang fünfzig. Einst wollten sie die Sterne vom Himmel holen, so viel Liebe wie möglich und die Welt verändern. Sie nannten es: Revolution machen! Und groß rauskommen gehörte selbstverständlich dazu.
Dabei wusste SIE, die Frau zwischen den Männern, schon immer, dass «das Üble an der Revolution ja die Revolutionäre» sind und spielte lieber Gitarre. So kam es, wie es kommen musste. ICH wurde erfolgreicher Unternehmensberater und blieb allein. ER schaffte den Aufstieg in der Politik, zunächst in Bonn, dann in Berlin und heiratete die gemeinsame Geliebte Maria. Dann kam es, wie es nicht kommen sollte. ICH beriet nicht mehr Unternehmen, sondern Menschen, die an Angst leiden, und ER wurde von seiner Frau verlassen und machte Schluss mit der großen Politik. Jetzt hofft ER auf ein Comeback in seiner Partei oder auf einen Vorstandsposten und glaubt sich «am Ziel oder leicht darüber hinaus». Man(n) gibt ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 154
von Horst Busch
Als Sie alle das «Verrückte Blut» im vergangenen Jahr herausgebracht haben, tobte gleichzeitig die Sarrazin-Debatte. Ihre gefeierte und auch beim Berliner Theatertreffen gezeigte Aufführung handelt von einer konfliktgeladenen Schulklasse und spielt mit den Klischees, aber auch den Wahrheiten von muslimischen Macho-Jungs und vermeintlich unterwürfigen...
Ich soll nun schreiben «Ich habe eine Wut auf ...», bin aber das Gegenteil eines «angry old man» und denke so oft an mein momentanes Wohlergehen, dass ich dazu neige, solche «Wutgefühle» wegzupusten, auch um dadurch zu vergessen, zu verdrängen: Sie würden meiner übriggebliebenen Kreativität oder Lust auf Theater, Oper und Literatur im Wege stehen. Es halten mich...
Immer wieder wird an einen Intendanten, so jedenfalls meine Erfahrung, der Wunsch herangetragen, etwas zu produzieren, wo man «so richtig doof ablachen» kann. Man fragt sich: Wo kommt dieser Wunsch her? Die Menschen, die es sich wünschen, über etwas «richtig doof abzulachen», könnten sich diesen Wunsch ja leicht erfüllen, indem sie in den Spiegel gucken....
