Die Geschichte sind wir

Holger Schultze über Dirk Lauckes «Alles Opfer! Oder Grenzenlose Heiterkeit»

Theater heute - Logo

Ein deutscher Reisebus auf dem Weg nach Schlesien. Amüsiert nehmen wir Teil an Dirk Lauckes Kaffeefahrt «heim ins reich zu den stätten unserer scheißarischen ahnen». In seinem neuestem Stück «Alles Opfer! oder Grenzenlose Heiterkeit», verfasst für die Ruhrfestspiele Reck­linghausen und das Staatsschauspiel Dresden, erfreuen wir uns an fröhlichen Rentnern und anderen merkwürdigen Mitreisenden und wundern uns über die Böschung, die da so ungerecht direkt in die Katastrophe führt.

Der Bus kippt, es überleben nur fünf der Mitreisenden: Marie, die Schlagersänge­rin, und ihr Vater und Manager Lennert, die Grotten­olmforscherin Antonia, die sich zu DDR-Zeiten in Harzer Höhlen verlaufen hat und wegen Republikflucht drankam, die Rentnerin Martha und der Journalist Torsten. Je länger sie auf Hilfe warten und je mehr sie von sich selbst erzählen, desto mehr verstricken sich die fünf in gegenseitige Schuld­zu­wei­sungen.

Adorno hin oder her, man versteht schnell, dass sich unter dem Schatten der Vergangenheit einfach schwer leben lässt. Durch das Schockerleb­nis des Unfalls werden die Überlebenden in ihre Vergangenheit zurückkatapultiert, wobei Martha nur noch von der Windhunddivision ihres ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 166
von Holger Schultze

Weitere Beiträge
Gretchenpalimpsest aus dem Keller

Wer sich gefragt hat, wo eigentlich Elfriede Jeli­neks Text oder Stück zum Fall Josef Fritzl bleibt – hier ist er oder es. «FaustIn and out» schaut in die Hölle, die sich vierundzwanzig Jahre lang in einem unterkellerten Haus in Amstetten in Öster­reich befand. Der mittlerweile zu lebenslanger Haft verurteilte Fritzl hatte seine Tochter im Keller eingesperrt, mit...

Das Parasitärdrama...

Ich habe schon das Sekundärdrama erfunden, und jetzt erfinde ich meinetwegen auch noch das Parasitärdrama (man kann es auch Schmarotzerdrama nennen), nein, leider habe nicht ich es erfunden. Ich habe es nicht einmal bewußt gefunden. Ich bin auch schon einmal ein bißchen Abfall für alle gewesen, was absolut gestimmt hat, es war mir nur nicht eingefallen, auch nicht...

Uraufführungen und deutschsprachige Erstaufführungen der neuen Spielzeit

Uraufführungen 

      
A
Frank Abt/Dirk Schneider Wenn die Sonne immer noch so schÖn scheint … (Theater Osnabrück) ·· Andcompany & Co. nach Schiller Der (kommende) Aufstand (Oldenburgisches Staatstheater) ··Sefi Atta Hagel auf Zamfara (Theater Krefeld/ Mönchengladbach)

B
Lukas Bärfuss ZwÖlftausend Seiten (Schauspielhaus Zürich) ·· Martin Baltscheit Die besseren...