Die Geschichte sind wir
Ein deutscher Reisebus auf dem Weg nach Schlesien. Amüsiert nehmen wir Teil an Dirk Lauckes Kaffeefahrt «heim ins reich zu den stätten unserer scheißarischen ahnen». In seinem neuestem Stück «Alles Opfer! oder Grenzenlose Heiterkeit», verfasst für die Ruhrfestspiele Recklinghausen und das Staatsschauspiel Dresden, erfreuen wir uns an fröhlichen Rentnern und anderen merkwürdigen Mitreisenden und wundern uns über die Böschung, die da so ungerecht direkt in die Katastrophe führt.
Der Bus kippt, es überleben nur fünf der Mitreisenden: Marie, die Schlagersängerin, und ihr Vater und Manager Lennert, die Grottenolmforscherin Antonia, die sich zu DDR-Zeiten in Harzer Höhlen verlaufen hat und wegen Republikflucht drankam, die Rentnerin Martha und der Journalist Torsten. Je länger sie auf Hilfe warten und je mehr sie von sich selbst erzählen, desto mehr verstricken sich die fünf in gegenseitige Schuldzuweisungen.
Adorno hin oder her, man versteht schnell, dass sich unter dem Schatten der Vergangenheit einfach schwer leben lässt. Durch das Schockerlebnis des Unfalls werden die Überlebenden in ihre Vergangenheit zurückkatapultiert, wobei Martha nur noch von der Windhunddivision ihres ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 166
von Holger Schultze
Gar nicht so einfach, in der Vielfalt der Stile und Inszenierungen einen Schauspieler
des Jahres zu küren!
Selten war das Spektrum der Kritiker-Voten so groß wie in diesem Jahr. Deshalb gratulieren wir auf den folgenden Seiten nicht nur Jens Harzer, dem Schauspieler des Jahres, sondern auch den 29 anderen, die mindestens einen Kritiker überwältigt haben. Klare...
Beschwerdebriefe, so hat es Oliver Kluck einmal erzählt, seien der Auslöser gewesen. Durch wohlformulierte, an den obersten Dienstherrn gerichtete Widersprüche, die er – strafversetzt in die Bundeswehrbibliothek – während seiner Grundausbildung verfasste, hätte er zum dramatischen Schreiben gefunden. Selbst wenn Kluck hier geschwindelt haben sollte, liegt doch eine...
Wut ist eine sekundäre Emotion. Menschen können Wut empfinden, wenn sie gerade mit etwas emotional Unmittelbarem zu kämpfen haben. Wenn wir zu kämpfen haben, weil wir mit Angst oder Traurigkeit oder auch Freude zurechtkommen müssen, kann es sein, dass sich dieser Kampf in Wut manifestiert.
Ich weiß nicht so recht, ob ich Wut für besonders inspirierend halte. Ich...
