Zwischen Café-Konzert und Popmusik

Das Palazzetto Bru Zane entdeckt André Messagers Operette «Passionnément»

Eigentlich wollte die Stiftung Palazzetto Bru Zane im Dezember 2020 für ihre der französischen Opern-Romantik gewidmete CD-Reihe Camille Saint-Saëns’ Tragédie lyrique «Déjanire» aufnehmen – ein Vorhaben, das sich unter Corona-Bedingungen nicht verwirklichen ließ. Kurz entschlossen entschied man sich, stattdessen André Messagers Comédie musicale «Passionnément» einzuspielen, die ohne Chor auskommt und nur sechs Solisten sowie ein klein besetztes Kammerorchester erfordert.

Messager gehörte, als Dirigent wie Komponist, zu den führenden Musikern der Dritten Republik und war zusammen mit Reynaldo Hahn einer der letzten Vertreter der französischen Operette. Als Uraufführungsdirigent von Debussys «Pelléas et Mélisande» schrieb er Musikgeschichte, als Komponist war er ein Meister der heiteren Muse, dessen Musik Eleganz, frivolen Witz und melodiösen Charme mit jenem stets leicht gefühlvoll-nostalgischen Unterton zu unterfüttern wusste, wie er seit Offenbach, Hervé und Lecocq typisch für die französische Operette ist. Dabei ging er, wie die 1926 uraufgeführte musikalische Komödie mit dem sprechenden Titel «Passionnément» beweist, durchaus mit der Zeit und ließ den Sound der Zwanzigerjahre ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 58
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Graue Katzen

Der Ort? Schön ist er nicht. Aber ein Technoclub folgt bekanntlich anderen ästhetischen Normen und Idealen als ein Theater oder gar ein Opernhaus. Er kann dunkel, metallisch, kalt und leer sein, das ist völlig egal. Ihre Aura gewinnt eine solche Location erst in der Nacht, wenn alle Katzen grau sind, wenn die Beats hämmern, die Lichtkegel tanzen und die Leiber im...

Das verflixte hohe C

Herr Lyon,was hat Sie dazu gebracht, diese Zusatzqualifikationen zu erwerben?
Singen ist ein so unmittelbarer, intimer Prozess. Was in unserem Leben vorgeht, schlägt auf den Körper, und weil der zugleich das Instrument ist, kann man das gar nicht trennen. Sie haben doch bestimmt auch schon von Gesangslehrern gehört, dass sie sich oft wie Therapeuten vorkommen....

Vollendet das ewige Werk

Die Trachtenjanker und Gamsbärte, die Dirndl und kunstvoll gezwirbelten Flechtfrisuren im Publikum gibt es nicht mehr. 1998 konnte man sie noch bewundern, als dieses Event wie ein Ufo in dem Tiroler Dorf unweit des Inns landete und dabei das Passionsspielhaus in Beschlag nahm. Doch Wagners «Rheingold» als Gründungsstück der Tiroler Festspiele (damals mit Albert...