Nachtgestalten, nackt
Dass der Leipziger Autor Clemens Meyer ein schrill-schräger und ziemlich schlauer Typ ist, weiß jeder, der seine Romane gelesen hat. Dass er nun aber auch eine Karriere als Moderatorin eines durch den Äther gleitenden Raumschiff-Senders eingeschlagen hat, das war bislang unbekannt. Lady Ecki nennt sich die freche Plaudertasche im plastikgoldenen Kleid und mit wasserstoffblonder Perücke, doch Vorsicht scheint hier geboten: Alles, was die aufgedonnerte Dame in ihrem «Space Radio» von sich gibt, ist von stupender politischer Würze.
Lady Ecki meint es ernst, da kann sie noch so anzüglich grinsen, dumm tun und schlechtes Englisch sprechen.
Doch noch einmal zurück zum Schriftsteller Meyer. Sein Roman «Im Stein» beschreibt die Suche eine Generation nach dem Sinn des Lebens, nachdem die Politik beschlossen hat, dass der Kapitalismus nun auch in der vormals realistischen DDR die dominierende Staatsform ist und nicht mehr länger Ideale die Welt regieren, sondern der Gott des Mammons. Meyer zeigt uns diese Suchenden als einen Chor aus Nachtgestalten, die übers Pflaster irren, im Gepäck nichts als ihre angekratzte Identität, und sich dabei mehr und mehr in Phantasmagorien verlieren. Ein ...
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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Magazin, Seite 101
von Jürgen Otten
Wirklich furchterregend ist das Biest, das da, aus der Bühnentiefe des Festspielhauses geschlüpft, über einen hinwegbraust, auf mächtigen Schwingen, mit grünem Schuppenkleid und einem Maul voll gezackter Zähne, aus dem Feuerstrahlen schießen. Wie sich halt Richard Wagner seinen Drachen dachte, der schon zur Uraufführung des «Siegfried» nur unvollständig realisiert...
Sein Name ist etwas in Vergessenheit geraten. Was mehr als bedauerlich ist, zählte Ludwig Marcuse, dessen 50. Todestag wir in diesem Jahr begehen, zu den feinsinnigsten Beobachtern der menschlichen Spezies, als Schriftsteller, Essayist und Philosoph, als gleichermaßen spitzfindiger wie scharfzüngiger (Frei-)Geist. Insbesondere ein Buch Marcuses, der vorausschauend...
Herr Lyon,was hat Sie dazu gebracht, diese Zusatzqualifikationen zu erwerben?
Singen ist ein so unmittelbarer, intimer Prozess. Was in unserem Leben vorgeht, schlägt auf den Körper, und weil der zugleich das Instrument ist, kann man das gar nicht trennen. Sie haben doch bestimmt auch schon von Gesangslehrern gehört, dass sie sich oft wie Therapeuten vorkommen....
