Nachtgestalten, nackt
Dass der Leipziger Autor Clemens Meyer ein schrill-schräger und ziemlich schlauer Typ ist, weiß jeder, der seine Romane gelesen hat. Dass er nun aber auch eine Karriere als Moderatorin eines durch den Äther gleitenden Raumschiff-Senders eingeschlagen hat, das war bislang unbekannt. Lady Ecki nennt sich die freche Plaudertasche im plastikgoldenen Kleid und mit wasserstoffblonder Perücke, doch Vorsicht scheint hier geboten: Alles, was die aufgedonnerte Dame in ihrem «Space Radio» von sich gibt, ist von stupender politischer Würze.
Lady Ecki meint es ernst, da kann sie noch so anzüglich grinsen, dumm tun und schlechtes Englisch sprechen.
Doch noch einmal zurück zum Schriftsteller Meyer. Sein Roman «Im Stein» beschreibt die Suche eine Generation nach dem Sinn des Lebens, nachdem die Politik beschlossen hat, dass der Kapitalismus nun auch in der vormals realistischen DDR die dominierende Staatsform ist und nicht mehr länger Ideale die Welt regieren, sondern der Gott des Mammons. Meyer zeigt uns diese Suchenden als einen Chor aus Nachtgestalten, die übers Pflaster irren, im Gepäck nichts als ihre angekratzte Identität, und sich dabei mehr und mehr in Phantasmagorien verlieren. Ein ...
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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Magazin, Seite 101
von Jürgen Otten
Eine Stimme, die singt – nichts weiter. Aber was und wie sie singt, verführt in Luciano Berios abstrakt-wortlosem akustischem Theater «Sequenza III» den Hörer. Töne entstehen aus Mundgeräuschen, verschwinden, überlagern sich, die Palette der Laute reicht vom Stöhnen und Keuchen, Lallen und Schnalzen, Flüstern und Schreien, Lachen und Weinen bis zum Sprechen und...
Die Trachtenjanker und Gamsbärte, die Dirndl und kunstvoll gezwirbelten Flechtfrisuren im Publikum gibt es nicht mehr. 1998 konnte man sie noch bewundern, als dieses Event wie ein Ufo in dem Tiroler Dorf unweit des Inns landete und dabei das Passionsspielhaus in Beschlag nahm. Doch Wagners «Rheingold» als Gründungsstück der Tiroler Festspiele (damals mit Albert...
Im Moskauer Saz-Kindermusiktheater wird die große Bühne saniert, alle Aufführungen finden deswegen auf der kleinen Bühne statt. Ende Juni zeigte man dort «Rotkäppchen» von César Cui, dem Mitglied des «Mächtigen Häufleins». Der Komponist schrieb seine Kinderoper 1911 ausdrücklich für Zarewitsch Alexej, den kranken Sohn Nikolai II. Allein für den maladen Thronfolger...
