Zu Klang wird hier der Raum
Die Bühne für «Das große Welttheater», ein musikalisches Schauspiel für Sänger, Schauspieler und Musiker nach Pedro Calderón de la Barca, in der Regie von Calixto Bieito, mit dem ich seit 2006 zusammenarbeite, zeigt, was mir viel bedeutet: die Verbindung von Raum, Bewegung und Musik. Und wie kraftvoll diese Synergie wirken kann. Der Raum nicht als statischer Ort, sondern als Organismus: Das zeigt das Bild der Schlussszene dieser Produktion des Theaters Freiburg 2011, wenn die Welt zusammenstürzt.
In der Vorbereitung bin ich auf Darstellungen von Kirchenräumen und vor allem Orgeln gestoßen. Das hat mich zur Grundidee inspiriert: 300 Aluminiumröhren, Abbilder der Orgelpfeifen, die an Stahlseilen hängen. Zu Beginn, während des Monologs des Schöpfers, liegen sie am Boden, kaum definierbar. Dann werden sie langsam nach oben gezogen und knallen dabei gewaltig aneinander, stoßen sich gegenseitig ab und bleiben lange in Bewegung. Die Bühne wird hier im Zusammenspiel mit der Musik von Carles Santos zum Klanginstrument, wird selbst eine Art Protagonist, zu dem sich die Darstellerinnen und Darsteller verhalten und mit dem sie spielen müssen. Übrigens kommt da ein Aspekt meiner Arbeit zum ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Serie, Seite 52
von Rebecca Ringst
Das Jahr 1875 war ein bedeutendes in der Geschichte der französischen Oper. Am 5. Januar wurde das Palais Garnier eingeweiht, bis 1989 der größte Theaterbau der Welt; knapp zwei Monate später fand die Uraufführung von Bizets «Carmen» statt. Paris erhielt einerseits eine Stätte, an der sich eine spezifisch nationale Gesangkultur tradieren ließ, andererseits belebte...
Versucht haben es viele. Doch nur eine Dichterin vermochte es, das «Phänomen» in betörende Worte zu kleiden; kaum zufällig ebenfalls eine viel zu früh Verglühte. In ihrer «Hommage à Maria Callas» beschreibt Ingeborg Bachmann die Diva assoluta als eine Künstlerin, die kontinuierlich über sich selbst hinausging und dabei immer auch das Gegenteil von dem war, was sie...
Es liegt wohl nicht nur daran, dass eine der legendärsten Produktionen des Theatermagiers Robert Wilson vor genau 30 Jahren das Licht der Theaterwelt erblickte und deshalb gerade jetzt so häufig gespielt wird. Vielmehr kommt «Black Rider», Wilsons Adaption des «Gespensterbuchs» von Adolf Apel auf ein Libretto von William S. Burroughs mit der Musik von Tom Waits den...
