Verführerisch
Als Intendant hat Ansgar Haag grundsätzlich ein Gespür für die Programm-Melange, die beim heimischen Publikum ankommt und überregionales Interesse weckt. Für die Eröffnung seiner letzten Spielzeit am Staatstheater Meiningen inszenierte er nun selbst ein Stück, das sich ohne Corona-bedingte Einbußen auf die Bühne bringen lässt. Anders als der etwas sperrige Titel «Through his Teeth» – dessen deutsche Nacherfindung «Im Fadenkreuz der Lüge» das Ganze schon etwas besser trifft – besitzt Luke Bedfords 2014 in London uraufgeführte Kammeroper geradezu Thriller-Qualitäten.
Das Libretto von David Harrower greift einen spektakulären Kriminalfall auf. Im Programmheft erfährt man, was dazu am 6. September 2005 im «Guardian» zu lesen war. Dabei ging es um den Prozess gegen den 34-jährigen Robert Hendy-Freegard, der seine Opfer erst vernascht und dann jahrelang kaltblütig ausgebeutet hatte. Mit dem Charme des diabolischen Causeurs behauptete Hendy-Freegard, er sei ein MI5-Agent und Undercover-Killern der IRA auf der Spur. Mindestens sieben, durchaus gestandene Frauen machte er damit zu seinen Sklavinnen und prellte sie über zehn Jahre um insgesamt eine Million britische Pfund. Am Ende brachte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Joachim Lange
Die Staatsoper Unter den Linden eröffnet ihren Premieren-Reigen traditionell am Tag der Deutschen Einheit und wählt dafür gern ein symbolträchtiges Stück. In diesem Jahr war es Luca Francesconis «Quartett» nach dem gleichnamigen Theaterstück von Heiner Müller. Der Dramatiker imaginiert darin die Hauptfiguren von Choderlos de Laclos’ Briefroman «Liaisons...
Glück im Unglück: Eine defekte Sprinkleranlage, die das Duisburger Theater unter Wasser setzte, vereitelte im vergangenen Jahr die Aufführung des 2017 in Düsseldorf begonnenen, mittlerweile komplettierten «Rings» in der Inszenierung von Dietrich Hilsdorf. Doch die Notlösung einer konzertanten Wiedergabe in der benachbarten Mercatorhalle erwies sich dann für den...
Zazà auf der Suche nach dem Glück. Als ob sie eine Betonwand mit Sonnenlicht bemalen wollte. Sie ist étoile eines Tingeltangels in Saint-Etienne, Männer umschwirr’n sie wie Motten das Licht. Doch sie fordert aufgrund ihrer unglücklichen Kindheit ein Recht auf echte Liebe ein – die, so ihr Irrglaube, hat sie bei Milio Dufresne gefunden. Aber der bourgeoise...
