Eher unspektakulär
Klingt diese Musik anders, wenn man weiß, dass sie auf den Rückseiten von Deportationsformularen notiert wurde? Von Theresienstadt, wo sie 1944 unter den absurden Umständen eines KZ mit «Kultur» entstand, ging der Weg für viele nach Auschwitz, auch für Viktor Ullmann. Seine dritte, mit dem jungen Dichter Peter Kien zusammengedachte Oper, für Lager-Kammerbesetzung komponiert, wurde dort nie aufgeführt. Es ist zu lesen, dass wir die Gründe für die Absetzung der Proben nicht kennen.
Dabei kommt uns dieses Stück über den Herrscher einer untergehenden Welt, dem der Tod die Gefolgschaft versagt und in der auch dem Harlekin die Späße ausgehen, unter den Bedingungen des Hitlerreichs als sowieso unmöglich aufführbar vor. So wenig kann man daran vorbeisehen, dass die junge italienische Regisseurin Ilaria Lanzino gar keine Hakenkreuze schlagen muss. Es ist auch so klar, dass dieser Kaiser dieses Atlantis einer jener Sorte Gewaltpotentat und Großsprecher ist, wie sie gerade wieder in Mode kommen, denen auch die Verantwortung für massenweises Sterben kein Achselzucken wert ist.
Kein Wunder, dass der Tod mangels solcher Wertschätzung keine Lust mehr hat, einzutreten. Hier macht er es sich, wo ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Holger Noltze
Wie oft müsste man leben, um aus dem Tod klug zu werden?» Der Schriftsteller und Philosoph Elias Canetti formulierte diese Frage in seinen zahlreichen Schriften über den Tod, mit dem er haderte, den er am liebsten abgeschafft hätte – «wenn es ginge». Allein, es geht nicht. Bislang. Man weiß nicht, ob Andriy Zholdak ähnlich wie Canetti dem Tod den Krieg erklärt...
Die English National Opera hat ihr Lager vorübergehend am Alexandra Palace aufgeschlagen. Auf dem Ostparkplatz, um genau zu sein, gleich hinter dem traditionsreichen Veranstaltungsort, gibt’s aktuell eine Drive-in-«Bohème». 120 Autos werden so sorgsam platziert wie auf einer Autofähre. Wer keins hat, kann einen Leerwagen mieten oder mit dem Fahrrad kommen. Die...
Glück im Unglück: Eine defekte Sprinkleranlage, die das Duisburger Theater unter Wasser setzte, vereitelte im vergangenen Jahr die Aufführung des 2017 in Düsseldorf begonnenen, mittlerweile komplettierten «Rings» in der Inszenierung von Dietrich Hilsdorf. Doch die Notlösung einer konzertanten Wiedergabe in der benachbarten Mercatorhalle erwies sich dann für den...
