Zwitter

Jean-Baptiste Lullys «Armide» in einer den Archiven der Bibliothèque national de France entrissenen Bearbeitung aus dem Jahr 1778

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Lullys letzte, 1686 uraufgeführte Oper «Armide» überdauerte alle Stürme der Zeit und stand bis 1766 regelmäßig auf dem Spielplan der Pariser Opéra – in freilich zunehmend übergriffiger Bearbeitung, bis ihr schließlich Glucks Opernreform, wie der französischen Tragédie en musique insgesamt, das Lebenslicht ausblies. Als Gluck dann 1777 das Sakrileg beging, Philippe Quinaults kanonisches «Armide»-Textbuch in seinem Stil neu zu vertonen, schlugen die empörten Verfechter des alten Repertoires zurück.

Desmires, der neu ernannte Direktor der Opéra, beauftragte Louis-Joseph Francœur (1738–1804), Lullys Partitur im veränderten Geschmack der Zeit zu überarbeiten. Francœur, als Geiger und Dirigent lebenslang im Dienst der Opéra, war ein gediegener Handwerker, aber weder Lully noch Gluck ebenbürtig. Und so ist es gewiss kein Zufall,  dass seine Fassung niemals gespielt, ja nicht einmal fertiggestellt wurde. Der Dirigent Hervé Niquet hat das Manuskript in Zusammenarbeit mit dem Centre de musique baroque de Versailles nach 240 Jahren dem Archivschlaf der Pariser Bibliothèque national de France entrissen und in vervollständigter Form zur konzertanten Uraufführung gebracht.

Ein Vergleich mit dem ...

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Opernwelt November 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 18
von Uwe Schweikert

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