Wunder der Akustik
Ein junger Mann im Orchestergraben hatte die wichtigste unter den vielen stummen Rollen des Abends. Seine Aufgabe bestand darin, die gerade benutzten Seiten der Dirigierpartitur festzuhalten und gegen die Windstöße des Mistral zu verteidigen. Er machte seine Sache gut. Und auch Michel Plasson war die Ruhe selbst: Er hat mehr Produktionen im Amphitheater von Orange geleitet als jeder andere Dirigent. Wann es auf Schutzmanngesten und simple Koordination im Riesenraum ankommt und wann orchestrales Filigran machbar und hörbar ist, das entschied er mit traumwandlerischer Sicherheit.
Ganz abgesehen davon, dass er es fertig brachte, das Orchester blitzartig auf kleine Wunsch-Ritardandi der Sänger einzuschwören.
Orange, das heißt Oper für neuntausend Zuhörer. Man kommt gegen sieben. Da hat es immer noch über dreißig Grad in der Sonne, und die Altstadt ist ein einziges Restaurant. Tische und Stühle füllen fast jeden Quadratmeter der Gassen. Der Verkauf von Sitzkissen läuft prächtig, und die «Hoffmann»-CD, die kostümierte Händler überall anbieten, ist eine kluge Wahl: die Aufnahme mit Gedda unter Cluytens. Ab Viertel nach neun wird die Masse eine halbe Stunde lang per Lautsprecher auf ihre ...
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Schon Monate vor ihrem Erscheinen hat diese Aufnahme die Klassikwelt zum Erzittern gebracht: Zur letzten Opernproduktion alten Stils, die sich seine Firma noch leisten könne, rief der inzwischen verabschiedete Artist & Repertoire-Direktor der EMI, Peter Alward, den neuen «Tristan» seines Hauses aus. Mit der über zehn Jahre geplanten und 750 000 Euro teuren...
Von den Protesten, die der Bayreuther «Ring»-Produktion 1976 entgegenschlugen, können sich viele, die nicht dabei waren, heute kaum noch eine Vorstellung machen. Dass grimmig blickende Menschen mit Transparenten um das Festspielhaus liefen, auf denen, groß und ernst gemeint, ein Alberich-Zitat stand, war dabei noch das Geringste: «Verflucht sei dieser ‹Ring›»....
Im Jubiläumsjahr 2006 wollen die Salzburger Festspiele alle zweiundzwanzig Mozart-Opern szenisch aufführen. Die großen Stücke werden von den Festspielen selbst produziert. «Don Giovanni» und «La clemenza di Tito», von Martin Kusej inszeniert, liegen schon vor. In Herrmann-Inszenierungen existieren bereits «Così fan tutte» und, noch aus der Mortier-Ära, «Idomeneo»....
