In Schönheit sterben
Schon Monate vor ihrem Erscheinen hat diese Aufnahme die Klassikwelt zum Erzittern gebracht: Zur letzten Opernproduktion alten Stils, die sich seine Firma noch leisten könne, rief der inzwischen verabschiedete Artist & Repertoire-Direktor der EMI, Peter Alward, den neuen «Tristan» seines Hauses aus. Mit der über zehn Jahre geplanten und 750 000 Euro teuren Produktion gehe, so Alward, ein Kapitel Aufnahmegeschichte zu Ende. Die Zukunft gehöre den billigeren Live-Mitschnitten und vor allem der DVD. Bayreuth und Covent Garden statt Abbey Road also, Huster inbegriffen.
Das kann man bedauern oder nicht. Mit seinem Orakelspruch schraubte Alward die Erwartungen an den «Tristan» freilich auch noch ein Stück höher: Denn was wäre von einer so mustergültig geplanten Einspielung anderes zu erwarten als ein «Tristan», der tatsächlich das Wichtigste vereint, was die Gegenwart zu diesem Thema zu sagen und zu singen hätte? Wozu der ganze Aufwand, wenn am Ende nicht tatsächlich ein neuer Modell-«Tristan» steht? Damit beantwortet sich die Frage nach den Ursachen des Abschieds von der Studio-Oper fast von allein: Dass diese kostspielige Produktionsmethode aufgegeben wird, liegt sicherlich auch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Dass Salzburg 1982 in Levine/Ponnelles «Zauberflöte» eine «ideale» Aufführung gesehen haben will, erstaunt angesichts dieser Aufnahme. War alles andere damals so schwach, dass solch eine Klassikerpflege als überragend galt? Oder hat der «historische» Mitschnitt den Esprit nicht eingefangen? Neben der statischen Regie und den schleppenden Dialogen stört die Routine...
Im Jubiläumsjahr 2006 wollen die Salzburger Festspiele alle zweiundzwanzig Mozart-Opern szenisch aufführen. Die großen Stücke werden von den Festspielen selbst produziert. «Don Giovanni» und «La clemenza di Tito», von Martin Kusej inszeniert, liegen schon vor. In Herrmann-Inszenierungen existieren bereits «Così fan tutte» und, noch aus der Mortier-Ära, «Idomeneo»....
Leider ist Lioba Braun nicht mehr in Bayreuth präsent, singt Ortrud und Brangäne nun in Dresden, Fricka in Neapel oder Venus in Los Angeles. Doch auf ihrer ersten Solo-CD bei Sony sind nun ihre Sieglinde, Kundry, Waltraute und – neben den betörend erotisch, ja strahlend gesungenen Wesendonck-Liedern – auch das «Tristan»-Vorspiel und Isoldes Liebestod als...
