Knäbische Alpträume, kriegerische Amouren
Im Jubiläumsjahr 2006 wollen die Salzburger Festspiele alle zweiundzwanzig Mozart-Opern szenisch aufführen. Die großen Stücke werden von den Festspielen selbst produziert. «Don Giovanni» und «La clemenza di Tito», von Martin Kusej inszeniert, liegen schon vor. In Herrmann-Inszenierungen existieren bereits «Così fan tutte» und, noch aus der Mortier-Ära, «Idomeneo». Im Jubeljahr selbst erscheint eine neue «Hochzeit des Figaro», von Harnoncourt dirigiert, mit Claus Guth als Regisseur.
Mit zwei Premieren arbeiteten sich die Festspiele jetzt wieder ein Stückchen auf den großen Showdown vor.
«Die Zauberflöte» hielt eine Attraktion bereit: die Rückkehr Riccardo Mutis als Operndirigent zu den Festspielen. Man erinnere sich: Zu Beginn der Mortier-Zeit stieg der Dirigent bei der von den Herrmanns inszenierten «La clemenza di Tito» wegen unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten aus. Danach versuchten es die Festspiele noch einmal mit Muti für Verdis «La traviata». Wieder gab es ständig Differenzen mit dem Regisseur. Auch mit dem von Muti selbst empfohlenen Graham Vick soll er nicht immer übereingestimmt haben. Vielleicht sollte Muti es doch Karajan gleichtun und auch noch selbst ...
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Dass Salzburg 1982 in Levine/Ponnelles «Zauberflöte» eine «ideale» Aufführung gesehen haben will, erstaunt angesichts dieser Aufnahme. War alles andere damals so schwach, dass solch eine Klassikerpflege als überragend galt? Oder hat der «historische» Mitschnitt den Esprit nicht eingefangen? Neben der statischen Regie und den schleppenden Dialogen stört die Routine...
Das Théâtre du Grand Saint-Jean bringt eine Prise Glyndebourne nach Aix. Zwanzig Autominuten vor der Stadt liegt ein idyllisches Landgut, man promeniert unter alten Alleen und kann vor der Aufführung picknicken. Gespielt wird im Innenhof, dessen maroden Charme Ivan Theimer in seine Ausstattung des «Barbiere di Siviglia» einbezieht. Fünf verschiebbare Wände genügen...
Wer den optischen Overkill des überbordenden Bayreuther «Parsifal» von Christoph Schlingensief noch im Kopf hat, atmet erleichtert auf bei diesem drei Akte lang nur wenig variierten Bunker und der stilisierten Regie von Nikolaus Lehnhoff in der Aufzeichnung des «Parsifal» aus Baden-Baden. Der Gral als weißer Spalt in einer gewölbten Wand, durch den die Grals- als...
