Wieviel Authentizität darf es sein?
Pietro Mascagnis «Cavalleria rusticana» schlug bei der Uraufführung am 17. Mai 1890 im römischen Teatro Costanzi wie eine Bombe ein und eroberte binnen Jahresfrist die Bühnen der Welt. Der Prototyp und zugleich nie wieder erreichte Höhepunkt des Verismo fand nur noch in Ruggero Leoncavallos «Bajazzo», mit dem er seither in einer Bühnen-Zwangsehe lebt, eine wirkliche Konkurrenz. Vor der Premiere musste Mascagnis Partitur Federn lassen.
Der Dirigent Leopoldo Mugnone regte Kürzungen an, und weil Gemma Bellincioni und Roberto Stagno Probleme mit der «grausamen Tessitur» ihrer Rollen hatten, wurden große Teile der Partien von Santuzza und Turiddu um einen Halbton herunter transponiert. Auch der Chor zeigte sich den immensen Anforderungen der kontrapunktischen Verzahnung und chromatischen Verdichtung der Stimmen nicht gewachsen, was zu weiteren Strichen führte. 247 Takte, ins -gesamt 11 Prozent der Oper, fielen auf diese Weise dem Rotstift zum Opfer. Mascagni fügte sich, sanktionierte alle Änderungen und machte sie auch später nicht mehr rückgängig.
Der Bärenreiter-Verlag bereitet seit geraumer Zeit eine von Andreas Giger edierte Neuausgabe vor, die Mitte des Jahres erscheinen soll und ...
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Opernwelt März 2024
Rubrik: Medien, Seite 27
von Uwe Schweikert
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Künne...
