Flammenopfer
Betritt man den Zuschauerraum des Grand Théâtre de Genève, ist die Musik schon da. Kojack Kossakamvwe, begnadeter Gitarrist aus dem Kongo, sitzt vor dem Eisernen, ganz im Eck, und flicht seine schier unendlichen Girlanden voller Funk und zersplitternder Melodien. Schon ist man dort, wo dieser Abend angesiedelt ist – in Afrika, genauer: im Kongo. Passend dazu die Plastikstühle und die schick-verspielten, coolen Kleider und Anzüge, die Cedric Mpaka passgenau fürs Bühnenpersonal entworfen hat.
Diese Genfer Uraufführung darf in vielerlei Hinsicht als ungewöhnlich gelten, denn «Justice» ist eine europäischkongolesische Kooperation, vermutlich die erste ihrer Art. Ihr Librettist, Fiston Mwanza Mujila, wirkt selbst als Erzähler mit. Und einige der Figu -ren auf der Bühne verkörpern lebende Menschen, die man auch in Videos sieht, als Überlebende einer Katastrophe.
2019 stürzte in Kabwe, einem Dorf in der Bergbauregion im Süden des Kongo, ein Tanklaster mit Schwefelsäure auf den Marktplatz und auf einen Bus; 21 Menschen starben, zahlreiche weitere wurden verletzt, für immer entstellt. Der Tanker war im Auftrag der Firma Glencore unterwegs, die führend im Rohstoffhandel und im Betreiben von ...
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Opernwelt März 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Egbert Tholl
Brittens letzte Oper «Death in Venice» ist – wie seine Vorlage, Thomas Manns Novelle «Der Tod in Venedig» – ein Werk über das Sterben, es fragt nach der Würde oder der fehlenden Würde des Dahingehens. Ein Werk über das Vergreisen ist es jedoch keineswegs. Genau in diese Falle tappt Magdalena Fuchsberger mit ihrer Inszenierung am Theater Heidelberg. Der Dichter...
Als Antonio Pappano 2002 als Musikdirektor nach Covent Garden kam, begann seine Amtszeit mit einer Neuproduktion von Straussens/Hofmannsthals «Ariadne auf Naxos» in der Regie von Christof Loy. In diesem Sommer wird der Italiener das Royal Opera House nach einer für ihre Vielseitigkeit ebenso wie den musikalischen Standard vielgerühmten Amtszeit verlassen, um als...
Eigentlich hatte Rossini sich bereits von der Opera buffa distanziert, um sich in Frankreich am ernsteren Fach zu erproben, als er mit «Il viaggio a Reims» 1825 doch noch einmal eine Buffa für das Pariser Théâtre-Italien komponierte. Das Werk ist eine veritable Krönungsoper, geschrieben zur Inthronisierung König Karls X. von Frankreich, der nur fünf Jahre später...
