Wenn Engel singen
Wie die meisten seiner italienischen Kollegen hat Johann Adolf Hasse nicht nur Opern, sondern auch geistliche Musik in beträcht -lichem Umfang komponiert. Fast ein halbes Jahrhundert lang stand der in Italien als «divino Sassone» verehrte Komponist in Verbindung mit dem Ospedale degli Incurabuli in Venedig, einem Waisenhaus für Mädchen und junge Frauen, die in dieser Einrichtung fundierten Musikunterricht erhielten und durch ihr eminentes Können in öffentlichen Veranstaltungen ein internationales Publikum in Staunen versetzten.
In der Kirche San Salvatore führten die Musikerinnen in der Karwoche Psalmvertonungen auf, denen jeweils ein Oratorium voranging. Wohl Mitte der 1730er-Jahre schrieb Hasse zu diesem Anlass sein lateinisches Oratorio a 6 voci con stromenti «Serpentes ignei in deserto». Die «feurigen Schlangen in der Wüste» sind, so steht es im 4. Buch Mose, eine Strafe Gottes für jene Israeliten, die sich auf dem langen Marsch durch die Wüste zum gelobten Land gegen ihn und Mose auflehnten. In seiner Not wandte sich das Volk Israel an Mose, um von dieser Plage erlöst zu werden. «Und der HERR sprach zu Mose: Mach dir eine Feuerschlange und häng sie an einer Stange auf! Jeder, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Medien, Seite 24
von Thomas Seedorf
Adèle Hugo (1830–1915) wurde schon einmal wiederentdeckt – 1968, als der erste Band ihrer umfangreichen Tagebücher erschien und François Truffaut ihre tragische Lebensgeschichte mit Isabelle Adjani in der Titelrolle verfilmte. Die künstlerisch hochbegabte Tochter des Lyrikers, Dramatikers und Romanciers Victor Hugo war ihrem Vater 1852 ins Exil auf die britische...
Die Geschichte der Grusche Vachnadze kennt ein jedes kluges (theaterverliebtes) Kind. Bertolt Brecht hat der grusinischen Küchenmagd, die wider Willen, aber guten Herzens inmitten der Kriegswirren zur (Zieh-)Mutter wird, weil die eigentliche Mutter, eine hochmütige Gouverneursgattin, ihr Kind in der Krise sowohl aus den Augen als auch aus dem Sinn verliert, mit...
Einen 41-Jährigen noch als Nachwuchs-Regisseur zu bezeichnen, verbietet sich eigentlich. Und doch wird Vasily Barkhatov als solcher gehandelt, vielleicht auch deshalb, weil er mit seiner dramatischen weißblonden Mähne und den weichen Gesichtszügen wesentlich jünger wirkt. Die tiefe Sprechstimme dagegen überrascht. Zum ersten Mal für Furore sorgte der 1983 in Moskau...
