Träume auf dem Kussmundsofa
Auch im Märchenland ist eines klar: Jeder Topf hat seinen Deckel, jeder Prinz muss seine Prinzessin finden. Die Herren der Schöpfung sind dabei mehrheitlich langlockige, muskulöse junge Kerle in Strumpfhosen, die sich an Gemächt und Hintern, Schenkeln und Waden dermaßen gehörig ausbeulen, dass es schon fast ungehörig ist. Und wenn sich ihr Sixpack nicht ohnehin durch Harnisch oder Wams durchdrückt, tragen sie ihre Hemden so weit aufgeknöpft, als müssten sie jeden Moment mit einer Herztransplantation rechnen.
Metaphorisch stimmt das natürlich, denn in ihrer Brust schlägt es längst für die adorierten jungen Damen – und umgekehrt. Die sind vergleichsweise individueller ausgestattet: Schneewittchen, Rapunzel, Arielle und etliche mehr tragen ihre ikonischen Outfits. Ein Tag wie jeder andere also im heteronormativen Disney-Universum. Bis da eine ausschert aus dem Defilee der Traumpaare.
Angelina ist es, genannt Cenerentola, die Heldin von Rossinis gleichnamiger «Aschenputtel»-Vertonung. In der Regie von Ilaria Lanzino verlässt sie das verordnete Idyll in Zuckerlrosa und fackelt gleich einmal ihr langes Rüschenkleid zu einer bequemeren Kurzversion ab, aus der dann noch längere Zeit ...
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Walter Weidringer
Italienerinnen und Italiener haben ein gespaltenes Verhältnis zum Wasser. Zwar verbringen sie ihre Ferien am liebsten am Strand – doch schwimmen gehen sie kaum. Die Allermeisten wagen sich höchstens bis zur Hüfte ins Meer. Dort telefonieren sie dann ausgiebig, manchmal plaudern sie auch mit real anwesenden Mitmenschen. Junge Leute werfen sich, im Kreis stehend,...
Solange es große Kunst gab und große Künstler, die sie ermöglichten, so lange existierten immer auch jene Klischees, die eine Nähe zwischen Schöpfung und Schöpfer suggerierten. Bach war ein Sohn Gottes, Mozart ein Spielkind, Beethoven ein Wüterich, Chopin ein Melancholiker, Liszt ein Salonlöwe, Puccini ein Weiberheld – und Wagner ein übler Schnorrer. Auch im Fall...
Totenbleich, mit Mord in den Augen und Rasiermesser in der Hand, schaut Sweeney Todd maliziös grinsend in den Zuschauerraum. Obwohl er erst vor wenigen Momenten den Bühnentod gestorben ist, steht der «Demon Barber of Fleet Street» aufrecht auf seinen zwei Beinen, als der Vorhang fällt. Eine Legende stirbt eben nicht. Auch nicht an der Komischen Oper im Schiller...
