Was sind das, moderne Menschen?

Gedankentheater an der Berliner Staatsoper: Wolfgang Schreiber über Peter Ruzickas neue Oper «Hölderlin. Eine Expedition»

Opernwelt - Logo

Es gibt ein erhellendes Beispiel für die Utopie, die Illusion einer «Hölderlin-Oper». Eine solche Oper sollte und wollte der Münchner Komponist Wilhelm Killmayer vor zwei Jahrzehnten im Auftrag der Bayerischen Staatsoper schreiben. Das Projekt zog sich in die Länge, und irgendwann hatte sich Killmayer nach vielen ästhetischen und inhaltlichen Skrupeln eines Besseren besonnen.

Am Ende präsentierte er «nur» zwei große Hölderlin-Lied­zyklen für Singstimme und Orchester oder Klavier – mit den späten «Scardanelli»-Versen, dieser Jahreszeitenpoesie als Ausdruck einer «metaphysischen Weltanschauung», undramatisch, doppelbödig angesiedelt in den Gefilden melodischer, scheinnaiver Naturbeseelung, an den Grenzen von Sein und Werden.
Einen philosophischen, welthistorischen und dennoch alltagsgegenwärtigen Hölderlin-Weg wollten Peter Ruzicka und sein Librettist Peter Mussbach beschreiten. Beide hatten gemeinsam 1999 an der Dresdner Staatsoper das Musiktheater «Celan» herausgebracht, ein existenzielles Klangpsychogramm am Motiv des Holocaust entlang. Mit «Hölderlin. Eine Expedition» schwebte ihnen eine Entdeckungsreise in vier Akten an der Nahtstelle von Gegenwart und Zukunft der Menschheit vor. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2009
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Wolfgang Schreiber

Vergriffen
Weitere Beiträge
Apropos... erste Liebe

Frau Damrau, für Ihr letztes Rollendebüt, Donizettis Lucia an der Met, haben Sie bei Nervenärzten über den Wahnsinn recherchiert. Bei wem haben Sie sich für Ihre Sophie erkundigt?
Zum Glück muss man für Sophie keine großen Forschungen anstellen. Das ist einfach ein kleines Mädchen aus neureicher Familie, das aus dem Kloster kommt und gegen seinen Willen verheiratet...

Der andere Pfitzner

Hans Pfitzner ist durch Ingo Metzmachers Aufführung der Eichendorff-Kantate «Von deutscher Seele» (1921) mit ihrem völkisch dröhnenden Schluss «Fass das Steuer, lass das Zagen» am Nationalfeiertag wieder als unverbesserlicher Antisemit, Nazi-Sympathisant und Reaktionär ins Gerede gekommen. Die harfenumrauschte Elfen-Oper «Die Rose vom Liebesgarten» (1901) nötigt...

Plakative Imposanz

Um lobende Hinweise auf seine Verdienste ist André Heller-Lopes nicht verlegen. Gleich drei Tageszeitungen zitiert der selbstbewusste Brasilianer im Programmheft zu seiner jüngsten Bühnenarbeit, um sich in strahlendes Licht zu rücken. Am Londoner King’s College ausgebildet, sammelte Heller-Lopes unter anderem an Covent Garden, an der Met und in San Francisco...