Tausendjähriges Reich

Bratislava, Suchon, Svätopluk

Opernwelt - Logo

Glücklich das Land, das keine Helden braucht, schrieb Bertolt Brecht. Hinsichtlich von Svätopluk dem Ersten aus dem Geschlecht der Mojmiriden (gestorben 894) ist der Slowakei in dieser Hinsicht kein Vorwurf zu machen, denn «Held» war er keiner. Vielmehr ein Realpolitiker höchsten Grades, rücksichtslos in der Durchsetzung seiner Ziele. Unter ihm wurde Großmähren zum mitteleuropäischen Imperium.

Vor seinem Tod, erzählt die Legende, habe er seine drei Söhne zu sich gerufen, jedem einen Weidenzweig in die Hand gegeben und ihnen befohlen, diesen zu brechen, was den Prinzen mit Leichtigkeit gelang. Doch als der König die drei Weidenzweige zusammenbinden ließ und seine Söhne danach aufforderte, das Bündel zu brechen, gelang es ihnen nicht. Auf diese Weise demonstrierte Svätopluk die Notwendigkeit des Zusammenhalts. Doch die Demonstration fruchtete wenig: Nach seinem Tod bekriegten die Söhne Mojmír, Svätopluk jr. und Predslav sich, teilten das Reich untereinander auf, worauf es, geschwächt, zerfiel.
Die Weidenzweiggeschichte erscheint auch in der Oper «Svätopluk» des slowakischen Komponisten Eugen Suchon. In diesem Werk stirbt der König (in Bratislava der expressive Ján Galla) angesichts ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2009
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Im Rüsch-Raff-Pailletten-Rausch

Irgendwann muss es ja einer mal aussprechen: Die meisten Sängerinnen haben einen schrecklichen Geschmack, was ihre Konzertkleidung betrifft. Beim Abschlusskonzert des 37. Bundeswettbewerbs Gesang schwebt am 1. Dezember gleich eine ganze Reihe grauenhafter Roben über die Bühne der Deutschen Oper Berlin: Kleider, die so gestrig, so trutschig, so geschmacklos in ihrem...

Was sind das, moderne Menschen?

Es gibt ein erhellendes Beispiel für die Utopie, die Illusion einer «Hölderlin-Oper». Eine solche Oper sollte und wollte der Münchner Komponist Wilhelm Killmayer vor zwei Jahrzehnten im Auftrag der Bayerischen Staatsoper schreiben. Das Projekt zog sich in die Länge, und irgendwann hatte sich Killmayer nach vielen ästhetischen und inhaltlichen Skrupeln eines...

Judas erschlägt Christus

Aktuell? Aber gewiss! Ein griechisches Dorf, sein Priester vorneweg, pfeift auf die Nächstenliebe, als ein Treck Flüchtlinge auftaucht – Landsleute, von den brandschatzenden Türken aus der Heimat vertrieben. Hartherzigkeit, wo Mitleid am Platze wäre, Vorurteile. So lügt der Geistliche einer vor Hunger sterbenden Flüchtlingsfrau die Cholera an den Hals. Und den...