Gefühlsproben

Heidelberg, Henze: Phaedra

Opernwelt - Logo

Ganz entspannt sitzen die Orchestermusiker auf der Bühne des Heidelberger Theaters, man wartet noch auf die Solisten. Offenbar soll eine sogenannte Sitzprobe stattfinden, in der die Sänger zum ersten Mal ihre Partien mit dem großen Orchester ausprobieren. Zur Sicherheit liegen die Klavierauszüge bereit, alle warten auf die Sopranistin. Schließlich wird es den Beteiligten zu dumm, sie fangen schon mal an mit der Konzertoper «Phaedra».

Kurz darauf hat auch die Diva ihren großen Auftritt, legt erst mal die Einkaufstüten ab, um gerade noch rechtzeitig für ihren Einsatz am Notenpult anzukommen.
Bei der Uraufführung an der Berliner Staatsoper hatte Regisseur Peter Mussbach in der Rauminstallation von Olafur Eliasson auf monumentale und rätselhafte Größe gezielt. Die tragische Liebe der Mutter zu ihrem Sohn trat in den Hintergrund zugunsten eines magischen Bildertheaters. Daniel Cremer stellt in seiner Inszenierung das Gemachte, das Brüchige des Stücks in den Vordergrund. Aus der Probensituation entwickelt sich geradezu beiläufig die Geschichte emotionaler Abhängigkeit und unbändigen Hasses. Der naive Hippolyt ist in Gestalt des elegant phrasierenden Emilio Pons zu Beginn noch ganz Tenor, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2009
Rubrik: Panorama, Seite 44
von uwe Friedrich

Vergriffen
Weitere Beiträge
Im Aufwind

Seit John Berry die künstlerische Leitung der English National Opera übernahm, scheint sich das Haus zu konsolidieren – nach vielen personellen Wechseln in der Verwaltung und einer langen Phase der Verunsicherung. Die finanzielle Situation ist so stabil wie lange nicht mehr und das Programm der Spielzeit 2008/09 zweifellos interessant (zwei Premieren stehen noch...

Mosebachs Monologe

Seit einiger Zeit schon passen Theatermachern die Texte von Beethovens «Leonore»/«Fi­delio» nicht mehr so recht ins Konzept. Mit dem Hohelied auf Ehe und Familie im Gefängnishof können sie so wenig anfangen wie mit dem Gottvertrauen des politischen Gefangenen im finsteren Verlies. Das Jubelkantaten-Finale erscheint gar als Zumutung – es wird gern als konzertanter...

Auf dem Marktplatz

Eigentlich ist der Jazz sein Metier. Eigentlich. Denn auch wenn Gianluigi Trovesis wich­tigs­te Aktionsfelder die Big Band (Italian Instabile Orchestra), das (eigene) Oktett/Nonett oder das Duo mit dem Akkordeonisten Gianni Coscia sind, und auch wenn aus jedem Ton, den der inzwischen 64-Jährige auf Klarinetten und Saxofon hervorbringt, der Schalk eines munter...