Mosebachs Monologe
Seit einiger Zeit schon passen Theatermachern die Texte von Beethovens «Leonore»/«Fidelio» nicht mehr so recht ins Konzept. Mit dem Hohelied auf Ehe und Familie im Gefängnishof können sie so wenig anfangen wie mit dem Gottvertrauen des politischen Gefangenen im finsteren Verlies. Das Jubelkantaten-Finale erscheint gar als Zumutung – es wird gern als konzertanter Schluss angehängt – ein Appendix, der aus der vorausgehenden Handlung kaum abzuleiten ist.
Johann Kresnik sorgte bereits vor gut zehn Jahren in Bremen für eine gründliche Dekonstruktion des Stoffes: Den ersten Akt zeigte er in Anspielung auf die bedrohte Existenz von Werftarbeitern, den Kerker-Akt rückte er aus dem Dunkel ins grelle Licht einer Biertenne. Und ein satt rülpsender Florestan lallte im Vollrausch von allen möglichen Liebchen, desinteressiert an Gattin und Befreiung. Gründlicher ließ sich gegen Joseph Ferdinand von Sonnleithners Libretto nicht opponieren, einen Text, den Friedrich Treitschke zum Ideendrama zu promovieren suchte. Auch alle Bemühungen, das Stück als provokante Politparabel einzurichten, sollten mehr oder wenig kläglich scheitern – zumal wenn die Handlung in ein Nazi-KZ oder nach Guantanamo ...
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Verdis selten gespielte Oper «I masnadieri» nach Schillers aufrührerischem Jugenddrama «Die Räuber» entstand gleichzeitig mit «Macbeth». Allein schon die Nachbarschaft zum finstersten Melodramma der italienischen Opernromantik müsste aufhorchen lassen. Das Libretto des mit Verdi befreundeten Schiller-Übersetzers Andrea Maffei, der auch beim «Macbeth» die Hand im...
Am Abend des 21. Januar 2008 versetzten der Regisseur Benjamin Lazar und der Dirigent Vincent Dumestre die französische Opernszene in einhelligen Begeisterungstaumel. «Ein berauschendes Barockfest», schwärmte «Libération» über die neue Produktion an der Opéra Comique, «ein Spektakel, das man gesehen haben muss», konstatierte der «Figaro», und «Le Monde» pries das...
Verdis Musik leuchtet in die Raumfinsternis hinein, in ein Menschendrama in nachtschwarzem Bühnenkasten. Und Carl St. Clair unterstreicht gleich im Vorspiel zu «La traviata», seiner ersten Berliner Premiere, fast feierlich das lyrische Gebet der hohen Streicher, den Ausdruck trauernder Inständigkeit, der unmittelbar auf die verletzte Seele und am Ende auf den Tod...
