Waldeinsamkeit

Ironie ist auch ein Mittel: Webers «Freischütz» in Basel und Freiburg

Opernwelt - Logo

Man benötige einen Wasserfall, vier Feuerräder, zwölf galoppierende Pferde, lebende Hirsche […] und […] eine unschuldige Verlobte …». Aber eben daran scheitere «jede Inszenierung», urteilte einst der große Humorist und Opernkenner Loriot über Schwierigkeiten der Realisation von Carl Maria von Webers «Freischütz». Gleichviel: Welcher Regisseur hat sich in den vergangenen Jahrzehnten schon von den Vorgaben aus Friedrich Kinds Libretto leiten lassen? Eher verbreitet ist dann doch die Negation von Wald und romantischen Mythen, die dieser 201 Jahre alten Oper innewohnen.

Dass die (benachbarten) Theater in Basel und Freiburg nun beide mit ihr in die neue Saison gestartet sind, lässt die Frage nach dem Scheitern und einem latenten Unbehagen an diesem Stück neu aufflammen.

Sowohl Christoph Marthaler in Basel als auch Showcase Beat Le Mot in Freiburg bringen das in den jeweiligen Programmheft-Interviews zum Ausdruck. Wobei der Schweizer Regisseur deutlich zurückhaltender im Urteil ist, wenn er sagt, die Geschichte vom Probeschuss handle durchaus von etwas, «was es auf eine gewisse Weise heute noch gibt». Das vierköpfige Berliner Regiekollektiv dagegen spricht von «patriarchalischem, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 11 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
Von allem zu viel

Irgendwo in der amerikanischen Spießbürgerhölle: Claire, Lehrerin, Ehefrau, Mutter und mitten in der Midlife-Crisis, hört immer öfter ein quälendes, tiefes Summen: «The Hum», ein reales Phänomen, Anlass für zahllose (Verschwörungs-)Theorien – nun Ausgangspunkt für die Uraufführung von «The Listeners», die das Osloer Opernhaus zusammen mit den Kompanien in Chicago...

C’est l’amour!

Im April 1883 wurde «Lakmé» in der Opéra Comique aus der Taufe gehoben. Mit seitdem über 1600 Aufführungen an der «kleinen» Pariser Musikbühne zählt Léo Delibes Dreiakter zu den meistgespielten «hauseigenen» Werken der geschichtsträchtigen Institution, nach «Carmen», «Manon», «Mignon» und «La Dame blanche» (aber vor «Werther», «Les contes d’Hoffmann» und «Pelléas...

Farb- und leblos

Würde diese Oper nur wenige Minuten dauern, sie wäre ein Meisterwerk. Denn während dieser Zeit hört man den Chor der Geister, von links und rechts, respektive vorne und hinten (das Publikum sitzt verteilt auf einem Tribünen-L). Man hört ein Flüstern und Raunen, genau geführt, genau notiert, das klingt, als spräche, sänge der Wind, als wehten Worte durch den Raum,...