C’est l’amour!
Im April 1883 wurde «Lakmé» in der Opéra Comique aus der Taufe gehoben. Mit seitdem über 1600 Aufführungen an der «kleinen» Pariser Musikbühne zählt Léo Delibes Dreiakter zu den meistgespielten «hauseigenen» Werken der geschichtsträchtigen Institution, nach «Carmen», «Manon», «Mignon» und «La Dame blanche» (aber vor «Werther», «Les contes d’Hoffmann» und «Pelléas et Mélisande»). Es hat immer etwas Besonderes, eine Oper an jenem Ort gegeben zu sehen, an dem sie uraufgeführt wurde (auch wenn die Opéra Comique nach einem Großbrand 1887 wiederaufgebaut wurde).
Doch «Lakmé» hat sich an ihrer Mutterbühne im letzten halben Jahrhundert rar gemacht: Seit 1969 gab es bloß drei Produktionen. Die jüngste dürfte in die Annalen nicht nur des Hauses, sondern der Aufführungsgeschichte eingehen: Dirigent, Orchester und Chor sind erstklassig, die Interpretin der Titelfigur ist ihren bekanntesten Vorgängerinnen ebenbürtig – mindestens!
Besagte Vorgängerinnen könnte man auf einer Achse, die vom porzellanpüppchenhaften Koloratursopran mit durchdringenden, ja ätzenden Spitzen bis zum höhensicheren lyrischen Sopran mit vollerem Volumen und farbensatterer Mittellage reicht, wie folgt aufreihen: Mado ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Marc Zitzmann
Liebe, so hat es Stendhal einmal sehr schön notiert, beginne mit gegenseitiger Verwunderung, mit jenem augenblickshaften Erstaunen der darin Verwickelten, das die Existenz des anderen für kaum möglich gehalten hätte. Doch war sich Marie-Henri Beyle darüber im Klaren, dass es verschiedene Formen der Liebe gibt. Er selbst unterschied vier Arten: Liebe aus...
Irgendwo in der amerikanischen Spießbürgerhölle: Claire, Lehrerin, Ehefrau, Mutter und mitten in der Midlife-Crisis, hört immer öfter ein quälendes, tiefes Summen: «The Hum», ein reales Phänomen, Anlass für zahllose (Verschwörungs-)Theorien – nun Ausgangspunkt für die Uraufführung von «The Listeners», die das Osloer Opernhaus zusammen mit den Kompanien in Chicago...
Die Revolution in Frankreich 1789 war auch eine der Oper. Erstmals wurden politische Tagesereignisse auf die Bühne gebracht, ohne mythologische oder komödiantische Verkleidung. Die zwischen 1792 und 1794 entstandenen Revolutionsopern von Grétry, Gossec und Méhul dienten unverhohlen der republikanischen Propaganda, die allerdings schon bald unter Napoleon nicht mehr...
